Full text: Magazin für die Philosophie und Geschichte des Rechts und der Gesetzgebung (Bd. 1 (1800))

404 X Bemerk, über d. Verhält». d. Naturr.
selbst ist, wie angenommen wird, Gotr, der
ein Aegerniß nimmt an den Missethaten seiner
Unterthanen. Er rächt sich dafür an ihnen; da
er aber ein barmbertiger Gott ist, so bezähmt er
seine Rache und übt sie nur »ach dem Grade d«r
M'ssethot. — In einem Staate, wo man von
solchen blasphemischen Vorauosetzunqen avrgeht,
ist es allerdings konsequent, wenn der sein Auge
verliehren muß, der es dem andern ausgerissen
hat; wenn dessen Blut fließen muß, der Men-
fchenblut vergossen hat rc. Erhalt jener sein
Auge wieder, dadurch, daß man den andern
blendet? Wird der Ermordete wieder belebt
durch das Blut des Mörders? Keineswegs, al-
lein die Natur eines solchen Staats heischt eine
Vergeltung dieser Art, e» ist ja nur auf Rache,
nicht auf Entschädigung abgesehen.
Folgerungen also, die auch auf durchaus
konsequente Art aus dem Wesen zufälliger Ein-
richtungen abgeleitk» werden, gehören nicht in
das Naturrecht. Ich wiederhole ditS, weil man
in frühern Zeiten wähnte, kben dieß sey Natur-
recht, woher es denn kommt , daß man in al-
ter» Naturrechten bloS historische Beweise findet
und eben daber kommt er, daß man ein na-
türliches Lehnrecht *) darstellen ju können
glaubte.

So-

*) 3- B Engelhart spccimcn jnris feud. na*
turalis Lip». 174a 4. L §. Lanqemach
allgemeines Lebneecht aut philosophischen
Gründen erwiesen Potsdam 1747. S.
Knausse» natürliches Lcbnrecht. Stutt-
gard 1756. 8 ». a. m. der Naturrechte selbst
nicht zu erwähnen, in welchen das natürliche
Lehnrecht einen eignen Abschnitr auSmacht.

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