Full text: Magazin für die Philosophie und Geschichte des Rechts und der Gesetzgebung (Bd. 1 (1800))

X. Bemerk, über d. Verhält«. d. Naturr. re. 40)
Es wird im Naturrechte eine Wechselwir-
kung freyer Wesen, die nur dann bestehen kann,
wenn ein jede» dieser Wesen seiner Willkühr
Schranken setzt, so daß dem Nachbar dcchauch
ritt Wirkungskreis für sich übrig bleibt, a priori
deduzirt. Diese Beschränkung der Willkühr ist
nothwendiqe Bedingung des Zusammenlebens
freyer Wesen und eben diese Bedingung ist's,
au« der das ganze Naturrecht synthetisch abge-
leitet wird.
Da nicht bloö die Wechselwirkung, sondern
selbst die Existenz freyer Wesen und die An-
wendbarkeit jener Bedingung in der Sinnenwelt,
au« philosophischen Prinzipien deduzirr wird,
so sieht man leicht ein, daß die philosophische
Rechtslrhre von der Erfahrung ganz unabhän-
gig »st.

Man kann aber auch «in empirisches, ein
zufälliges Institut in einem Staate betrachten,
und au« dem Zweck und Wesen desselben Folge-
rungen herleiten, die nothwendig gültig sind,
weil ebne sie jene« Institut entweder ganz zweck-
los ware^ oder vielleicht ganz und gar nicht
bestehen könnte. Solche Folgerungen gehören
nicht in da« Naturrecht, da die Nothwendigkeit
welche sie begleitet, eben so zufällig ist, als das
Institut, au« welchem sie hergeleitet sind. Man
kann im Geqentheile auf diesem Wege Sätze sin»
den, die dem Naturrechte widersprechen, nicht
weil man etwa inconsequent gefolgert bat, son-
dern weil vielleicht das Institut, dessen Wesen
man untersucht, unvernünftig ist. Man denke
sich einen thevkratischen Staat, in welchem man
die oberste Gewalt in die Hände der Statthalter
Tottes gegeben zu haben glaubt. Der Regent
selbst

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