Full text: Volume (Bd. 1 (1800))

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i. v. Almendingen

Sie sagen: so weit wir die Handlung kennen,
hat sie der Handelnde vor seinem Gewissen nicht
verantworten können; oder: so weit wir. die
Handlung kennen, würde zwar ein edler gefühl-
voller Mensch nicht so handeln, allein nach stren-
gem Recht, läßt sich dagegen nichts einwenden.
Dieses Urtherl über den äußern Charakter
der Handlungen unserer Mitmenschen soll schlech-
terdings nicht dazu dienen, um uns zu berechti-
gen, es gewaltsam gegen den Beurtheilten gel-
tend zu machen. Sö ist aber doch eine unwill-
kührliche Thataußerung unserer vernünftigen
Natur. Wir können unmöglich Zeugen der einer
Beziehung auf Freyheit fähigen Handlung un-
serS Mitwesens seyn, ohne das, was wir an
ihr wahrnehmen, unter das in uns wohnende
Sitten - oder Rechtsgesetz zu subfumiren. Wir
müssen, auch wenn wir es nicht wollen, »in uns
sagen, der Mensch handelt nach oder gegen
Pflicht; erhandelt rechtlich oder widerrechtlich.
Man kann den einer Handlung im Bewußt-
seyn des Handelnden selbst zukommenden Cha-
rakter , den Charakter ihrer absoluten Sittlich-
keit und Rechtlichkeit nennen; den Charakter
dagegen, den sie für andere hat, denCharakter
ihrer legalen Sittlichkeit und Rechtlichkeit.'

Jeder Mensch muß es sich gefallen lassen, daß
andere seine Handlung, wie sie sie wahrnehmen»
auf ihre Weise beurtheilfn. Will ec sich daran
ärgern, so hadert er gegen die Gesetze dev
menschlichen Natur. Wenn er seine Mitmen-
schen handeln sieht, so fühlt er sich mnpillkühr»
lichzum Richter berufen, es hängt nicht etwa
vonjhmab, in sich nicht zu sagen: Cajus scheint,
ein

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