Full text: Volume (Bd. 1 (1800))

lieber Verletzung. deS guten Namen» u. d. Ehre. 9
den Degrif derselben unter einem etwa- mehr
praktischen Gesichtspunkt — was ich vorhin
sagte, war mehr der theoretische — noch ein-
mal ins Auge fassen müssen.
Bey seinem Eintritt in die Gesellschaft, er-
regt der Mensch durch seine Aeufferungen und
seine Handlungsweise, gewisse Erwartungen in
Ansehung der Eigenschaften seine- Verstandes
und Herzens. DaS Zutrauen und die Achtung
seiner Mitmenschen wird durch diese Erwar-
tungen bestimmt. Nach der Außenseite seines
Betragen- fällt die öffentliche Meinung ein ge-
wisses Urtheil über sein Herz und seinen Ver-
stand. Dem Menschen kann alS kluges Sin-
nenwesen der Inhalt desselben unmöglich gleich-
gültig seyn. Von diesem Urtheil hangt es ab,
ob er Freundschaft oder Feindschaft, Verach-
tung oder Gleichgültigkeit von seinem Mitmen-
schen zu erwarten habe. Nachdem man ihm
Einsicht oder Kurzsichtigkeit, Redlichkeit oder
Unredlichkeit, Stärke oder Schwäche des Gei-
stes zutraut, ist man geneigt oder abgeneigt
sein Schiksal mit dem seinigen zu verbinden,
oder sich von ihm zu entfernen; er findet ent-
weder in seinen Mitmenschen bereitwillige Be-
hülfen seiner Zwecke; jeder widmet ihm gern
seine Kräfte, weil er glaubt, daß er in eben
dem Grad werde von ihm unterstüzt werden;
oder jeder flieht die Gemeinschaft eines geistig
Kranken, der weder durch die bekannte Eigen-
schaft seines Verstandes, noch durch die seines
Herzens, Ansprüche auf dieWohlthaten geselli-
ger Verbindung machen kann.
Natürlich sucht daher jeder Mensch die Aus-
senseite seines sittlichen und intellektuellen Ka»
takterS dem beobachtenden Publikum von
der

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