Full text: Volume (Bd. 14 (1904))

82 §§ 254, 828, 276 des BGB; § 1 des HaftpflG.
sondern etwas seitwärts von diesem entfernt. Er ist dadurch verunglückt,
daß er, als der Zug in seine unmittelbare Nähe gelangt war, unternahm,
das rechte Gleis zu überschreiten und dabei von dem Motorwagen nieder-
geworsen wurde. Dieser fuhr wegen der Nähe der Haltestelle bereits mit
verminderter Geschwindigkeit; der Beklagte zu 2 hatte vor dem Unfall den
Kläger gesehen und rechtzeitig das Glockenwarnungssignal gegeben.
In mehrfacher Beziehung hat der Sachverhalt nicht mit Sicherheit
klargestellt werden können. Es ist nicht zweifellos sestzustellen gewesen, ob
der Kläger, wie er behauptet, vor dem Unfall dem aus dem rechten Gleise
fahrenden Zuge den Rücken zugewendet hat, doch sieht das Berufungs-
gericht dies als mindestens sehr wahrscheinlich an; es ist ferner ungewiß,
ob sich der Kläger vor dem Unfälle zwischen den Schienen des linken
Gleises oder auf dem Landstreifen zwischen diesem und dem rechten Gleise
ausgehalten hat; das Berufungsgericht bezeichnet es als möglich, daß der
Kläger, als der rechtsfahrende Bahnzug sich der Unfallstelle näherte, in dem
linken Gleise gestanden habe und nur unmittelbar vor dem Unfall, ohne
die Gefahr zu bemerken, auf den erwähnten Landstreifen und von da nach
dem rechten Gleise übergetreten sei; es ist endlich zweifelhaft, ob fast genau
zur gleichen Zeit mit dem aus dem rechten Gleise fahrenden Zuge auf dem
linken ein Zug aus der entgegengesetzten Richtung in die Nähe des Stand-
ortes des Klägers gelangt ist, und ob dieser, um dem letzteren Zuge aus-
zuweichen, uach dem rechten Gleise gelaufen ist; das Berufungsgericht sieht
hier als nicht widerlegt an, daß dies der Fall gewesen sei.
Nach diesen tatsächlichen Feststellungen erscheint es nicht berechtigt,
wenn die Vorinstanz angenommen hat, daß dem Beklagten zu 2 ein für
den Unfall kausal gewordenes Verschulden zur Last salle und er deshalb
zum Schadenersatz verpflichtet sei.
Gegenüber diesem Beklagten liegt überall dem Kläger die Beweislast
ob; es können also Umstände, die für die Beurteilung, der Handlungsweise
des Beklagten bedeutsam erscheinen, soweit sie unerwiesen geblieben sind,
gegen ihn nicht verwertet werden. Es darf deshalb hier jedenfalls nicht
unterstellt werden, daß der Kläger, ehe er das rechte Gleis zu kreuzen ver-
suchte, nicht zwischen den Schienen des linken Gleises, sondern auf dem
sog. Schutzstreifen zwischen den beiden Gleisen gestanden habe, und ebenso-
wenig, daß aus beiden Gleisen fast gleichzeitig je ein Bahnzug nach
der Unfallstelle gelangt sei. Geht man aber davon aus, daß letzteres nicht
der Fall gewesen, der Zug aus dem linken Gleise vielmehr erst kurz nach
dem Unfall herangekommen ist, und daß der Kläger bis unmittelbar vor
dem Unfall zwischen den Schienen des linken Gleises gestanden hat, so
darf dem Beklagten zu 2 kein Vorwurf daraus gemacht werden, daß er
den von ihm geführten Zug nicht zum Stehen gebracht hat. Der Kläger

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