Full text: Volume (Bd. 14 (1904))

19.3. Die rechtliche Natur des menschlichen Leichnams

Merkel, Die rechtliche Natur des menschlichen Leichnams.

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seine ausdrückliche Gewährung — wie schon oben hervorgehoben wurde —
in den Fällen der 88 500, 547 usw. mit sich bringt, daß seine Ausübung
im konkreten Falle von dem Vorhandensein einer Bereicherung gar nicht
abhängt (Prot H, 87, YI, 174). (Fortsetzung folgt.)

Die rechtliche Natur des menschlichen Leichnams.
Von Di. Erich Merkel in Chemnitz.
In der neuesten Ausgabe von Windscheids Pandekten, bearbeitet
von vr. Kipp, findet sich aus S 639 in der 4. Anmerkung zu 8 147
folgender Vermerk:
Der Körper des lebenden Menschen und seine Bestandteile sind im
Sinne des BGB sicher keine Sachen, abgetrennte Stücke des Körpers sind
es unbedenklich; ob es der Leichnam ist, kann als durch das BGB ent-
schieden nicht angesehen werden; der alte Streit wird also wohl sort-
dauern.
Und doch ist dieser Streit zu schlichten, wenn man nicht einseitig
rechtliche, sondern auch ethische, philosophische oder religiöse und ästhetische
Gesichtspunkte hervorkehrt.
Leichnam ist, wie schon die Etymologie des Wortes ergibt — 13h.-
hamo: „Fleischhülle usw. als Kleid der Seele" — ein entseelter Menschen-
leib; eine Seele, selbständiges Leben muß also in einem Körper gewohnt
haben, ehe er zur Leiche werden kann, darum könnte man strenggenommen
selbst ein totgeborenes Kind keinen Leichnam nennen, geschweige denn eine
Frucht, einen Abortus. Eine vernichtete Persönlichkeit ist der Leichnam,
und solange sich aus Gestalt und Substanz der menschlichen Überreste ein
Bild gewinnen läßt von der Persönlichkeit, wie sie lebend ausgesehen hat,
ist ein Leichnam vorhanden, der Zusammenhang der Überreste muß natür-
lich gewahrt sein.
Ist also schon für Anfang und Ende der Leichnamsqualität die
Frage nach der Persönlichkeit hochbedeutsam, so ist sie es noch mehr bei
der Erörterung über Sach- oder Nichtsachqualität des Leichnams, ja sie
ist hier entscheidend.
Jahrhundertelang sind die Meinungen über diese letzte Frage geteilt,
oft diametral einander entgegenstehend gewesen. Haben schon die Römer
den Menschenleichnam niemals ausdrücklich rechtlich klassifiziert — viel-
leicht erschien diesem außerordentlich religiösen Volke, die den äi manos
fast göttliche Ehren zollten und jeden Ort durch bloße illatio mortui zum

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