Full text: Volume (Bd. 14 (1904))

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Zu §§ 823, 276 des BGB-

klagte, wie es Kläger darstellt, in direkter Richtung auf den Kläger nach
einem Huhn geschaffen habe. Trotzdem aber müsse davon ausgegangen
werden, daß er die im Verkehr erforderliche Sorgfalt außer acht gelassen
habe (BGB 8 276). Auf Grund der im Urteil näher erörterten Zeugen-
aussagen wird als erwiesen angenommen, daß Kläger, wenn auch nicht
gerade (wie er behauptet) 26 Schrotkörner, so doch eine große Anzahl von
Körnern ins Gesicht und in den Kopf, bzw. die Mütze erhalten habe.
Wenn nun die Situation bei Abgabe des Schusses die von den Zeugen
S. und V. bekundete gewesen sei, so sei, zumal das Huhn von dem Schuß
getroffen sofort zur Erde fiel, mit Dr. B. und Forstmeister v. K. davon
auszugehen, daß ein Streu schuß vorliege. Im Gegensätze zu der über-
einstimmenden Begutachtung der drei in erster Instanz vernommenen
Sachverständigen — daß bei der gegebenen Situation der Beklagte sehr
wohl schießen durfte, ohne sich einer Unvorsichtigkeit schuldig zu machen, —
äußere sich Forstmeister v. K. über die Frage viel vorsichtiger; denn, ob
der Schuß unter Beobachtung der im Verkehr erforderlichen Sorgfalt ab-
gegeben sei, unterliege allein richterlicher Prüfung. Dem Berufungsgericht
erscheint es übrigens mehr als zweifelhaft, ob die in erster Instanz ver-
nommenen Sachverständigen bei ihrem, von ihnen nicht näher begründeten
Gutachten stehen geblieben sein würden, wenn die vom Kläger gestellte
Frage, wie es denn möglich sei, daß Kläger von so viel Schrotkörnern ins
Gesicht getroffen wurde, nicht prozeßordnungswidrig abgeschnitten worden
wäre. Auch der Sachverständige v. K. zwar meine, daß Beklagter als
Durchschnittsschütze bei der durch V. und S. sestgestellten Situation mit
Schrot Nr. 7 und 8 schießen durfte, ohne dabei fahrlässig zu handeln,
aber er habe sestgestellt, daß das Gewehr des Beklagten, das er am Un-
glückstag benützt habe, stark streue, und zwar stärker als ein Durchschnitts-
gewehr, und begutachte: „Wenn der Beklagte voraussetzen konnte, daß das
Gewehr infolge mangelhafter Herstellung der Patrone eine außergewöhn-
liche Streuung haben würde, so hätte er bei der von den Zeugen bekun-
deten Situation und unter Beobachtung der erforderlichen Vorsicht nicht
schießen dürfen." Das Berufungsgericht erörtert dann die vom Beklagten
vorgebrachte und von dem Sachverständigen v. K. zugegebene Möglichkeit
eines Fehlers in der beim Schuß benützten Patrone. Der Sachverständige
setze hinzu, daß nach seiner Erfahrung eine mangelhafte Patrone vielleicht
unter 100 bis 500 Stück vorkomme, und daß in Jägerkreisen mit der
Möglichkeit eines Streuschusses infolge mangelhafter Patronenanfertigung
nicht gerechnet werde. „Jäger" — so fahren die Urteilsgründe fort —
„lassen danach bei Prüfung der ihnen nach 8 276 des BGB obliegenden
Sorgfalt die Möglichkeit eines Streuschusses infolge des Patronenmangels
außer acht. Dazu sind sie aber gesetzlich nicht befugt; denn die auch von

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