Full text: Volume (Bd. 14 (1904))

428 Langheineken, Pflichtteilsrecht entfernterer Abkömmlinge und der Eltern.

entgegen, das wenigstens Strohal°° und Ritgen?' gegen sich gelten
lassen müssen. Denn sie führt zu einer teilweisen Aufhebung des wieder-
holt angeführten Fundamentalsatzes des objektiven Pflichtteilsrechtes, wo-
nach keinesfalls jemand pflichtteilsberechtigt sein kann, der, auch ohne von
der gesetzlichen Erbfolge letztwillig ausgeschlossen zu sein, nicht zur gesetz-
lichen Erbfolge berufen ist. In dem Falle nämlich, daß es der Erblasser
bei der gesetzlichen Erbfolge hat bewenden lassen und nur ein Vermächtnis,

dessen Betrag v die Hälfte des Nachlasses übersteigt I etwa v

einen Extraneus angeordnet hat, und daß neben dem Parens P nur ein
durch Verzicht seines Pflichtteilsrechtes verlustig gegangener Abkömm-
ling A vorhanden ist und dieser die Erbschaft annimmt, ist es ganz evi-
dent, daß P nicht als gesetzlicher Erbe in Frage kommt, also keinesfalls
pflichtteilsberechtigt sein kann; und doch hätte er nach gegnerischer Mei-
nung ein Pflichtteilsrecht von k — (k — v) = v — ^-k = ^k.

3. Wie sich die Wirkung des an die Spitze von VI gestellten Gesichts-
punktes im einzelnen gestaltet, mag noch an zwei einfachen Beispielen ge-
zeigt werden..

Erstes Beispiel: Der Erblasser hinterläßt an näheren Ver-
wandten zwei Abkömmlinge (A1( A3) und einen Parens P. Der Ab-
kömmling Aa hat aus sein Pflichtteilsrecht verzichtet oder ist seines
Pflichtteiles wirksam entsetzt worden. Als Alleinerbe ist berufen ein
Extraneus X, der annimmt. Wie groß sind die Pflichtteile von Ax
und P? — Der Fall liegt einfach und wurde bereits im vorhergehenden
berührt. Der Pflichtteil des Ai ist unter Berücksichtigung von 8 2310
Satz 1 auf ^-k, der des P zufolge § 2309 auf -|-k — ^k, d. i. gleich-
falls aus Jj-k, anzusetzen?b

Zweites Beispiel: Vorhanden sind als die einzigen näheren An-
gehörigen des Erblassers.der Ehegatte W, ein Abkömmling A und ein
Parens P. Der Erblasser hat wieder den ganzen Nachlaß einem Extraneus
zugewendet und dem A, der sich ihm gegenüber einer vorsätzlichen körperlichen
Mißhandlung schuldig gemacht hat (8 2333 Nr 2), den Pflichtteil zwar
nicht gänzlich, aber doch teilweise, etwa zur Hälfte, entzogen. Alsdann

M vgl. hierzu oben S 344 a. E. unter IY 2 n. 6.
” vgl. dessen oben S 324 Anm 9 unter I 2 a. A- zitierte Äußerung.
°° Ebenso: Strohal, Erbrecht S 441 § 61 II a. E-; Ritgen, Kommentar
S 579 § 2310 Note 4; Cosack, Lehrbuch 2, 825 a. E. § 411 II 2. : , .

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