Full text: Volume (Bd. 14 (1904))

10.4. Jastrow, Formularbuch und Notariatsrecht auf Grundlage des Bürgerlichen Gesetzbuchs.

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Literatur.

ist durchaus zu billigen. Eine Auseinandersetzung mit der abweichenden Ansicht
Jsays wäre wünschenswert gewesen. Unzureichend sind dagegen die Ausfüh-
rungen über den Fund (S 123/124). Gerade hier wäre mit Rücksicht auf die
praktische Bedeutung der Frage eine eingehende Erörterung am Platze gewesen.
Trotz aller Ausstellungen muß das Gesamturteil über das Buch günstig
lauten. Die Literatur ist, wenn auch bei weitem nicht vollständig, so doch in um-
fassendem Maße berücksichtigt Bisweilen finden sich Sätze mit so allbekannten
Wahrheiten, daß sie ohne Schaden für das Verständnis hätten wegbleiben können.
So z. B. S 12: „Die allgemeine Schwäche der Kinder im Alter von weniger als
sieben Jahren ist außerordentlich groß!" Dr. James Breit in Leipzig.
Formularbuch und Notariatsrecht auf Grundlage des Bürgerlichen Gesetzbuchs.
Von I astro w. 14. (nach dem BGB 4.) Aufl. Berlin 1903. I. Guttentags Ver-
lagsbuchhandlung G. m. b. H.
Als vor etwa drei Jahren das schon damals in Preußen sehr verbreitete
Iastro wsche Formularbuch unter dem Zeichen des BGB eine neue Gestalt an-
nahm und kurz hintereinander in 11., 12. und 13. Aufl. erschien, erinnerte Keyßner
in seiner Besprechung in GoldschmZ an den Satz in Jherings „Geist des
römischen Rechts" (3. Aufl. Bd II, 2 S 580): „Ein neues, geschickt abgefaßtes
Formular brachte seinem Urheber mehr Ehre, Anerkennung, Ruhm bei dem Volke,
als heutigen Tages die beste juristische Leistung je in Aussicht hat, und im Namen
des Formulars selbst verherrlichte die dankbare Nachwelt noch lange das Gedächt-
nis des Erfinders." Wir leben nicht mehr in den Zeiten der Formularjuris-
prudenz. Die Rechtswissenschaft hat sich zu einem lebendigen Organismus ent-
wickelt, die Rechtsformen schließen sich den Bedürfnissen des Lebens an, und es ist
daher natürlich, daß für Formulare das Anwendungsgebiet jetzt weit beschränkter
ist, als in früheren Zeiten bei geringerer Verschiedenheit der Verhältnisse. Allein
man würde fehlgehen, wollte man deshalb heutzutage ein Formularbuch für über-
flüssig halten. Soll auch der praktische Jurist jederzeit sich befleißigen, auf Grund
gediegener Gesetzeskenntnis wissenschaftlich und nicht nur routinegewandt zu arbeiten,
so ist doch, ganz besonders auf dem Gebiete der freiwilligen Gerichtsbarkeit, ein
gutes Formular wie ein fester Stab, dessen Hilfe man gern annehmen darf.
In diesem Sinne ist das Jastrowsche Buch jedem Praktiker aus das wärmste
zu empfehlen. Dasselbe ist vorzüglich ausgearbeitet und mit wertvollen rechts-
belehrenden Ausführungen versehen, hat auch in der juristischen Welt die wohl-
verdiente günstige Aufnahme gefunden, wofür die so schnell erforderlich gewordene
Neuauflage ein sprechender Beweis ist. In der jetzt vorliegenden 14. hat das
Werk einen wichtigen Schritt unternommen. In den bisherigen Auflagen war
überall, wo bei der Urkundenabfassung das Landesrecht in Betracht kommt, nur
das preußische zugrunde gelegt worden. In der neuen Auflage ist — abgesehen
von den Bemerkungen über das Stempelwesen — zugleich die Gesetzgebung der
drei nächstgrößeren Bundesstaaten berücksichtigt, insbesondere also auch das Landes-
recht des Königreichs Sachsen, wobei der Verfasser nach der Vorrede von Herrn
Amtsrichter I)r. Kloß in Eibenstock mit Auskünften unterstützt worden ist. Hier-
durch ist das Jastrowsche Formularbuch nunmehr auch für den sächsischen Juristen
in erhöhtem Maße praktisch brauchbar. Von besonderem Interesse war für mich
an verschiedenen Stellen die Übersicht über die leider noch immer bestehende Bunt-
scheckigkeit des deutschen Rechtes, insbesondere S 142 die der verschiedenartigen
Amtsstellen zur Entgegennahme von Auflassungsverhandlungen- danach ergibt

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