Full text: Volume (Bd. 14 (1904))

10. Literatur

10.1. Lotmar, Philipp, Der Arbeitsvertrag nach dem Privatrecht des Deutschen Reiches.

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Literatur.

Literatur.

Besprechungen.
Der Arbeitsvertrag nach dem Privatrecht des Deutschen Reiches von Philipp
Lotmar. Erster Band. Leipzig. Verlag von Duncker & Humblot. 800 S.
Preis 16 M. .
Als Aufgabe des umfänglichen, groß angelegten Werkes bezeichnet der Ver-
fasser die privatrechtliche Darstellung des Arbeitsvertrags auf Grund der Reichs-
gesetze und an der Hand der wirtschaftlichen Tatsachen. Die Kenntnis dieser tat-
sächlichen Zustände und Vorgänge, die den Arbeitsvertrag umgeben und seinen
Vollzug begleiten, erachtet er für unentbehrlich, um das Recht des Arbeitsvertrags
entwickeln und verstehen zu können. Namentlich gilt das von denjenigen Arbeits-
Verträgen, an denen der Besitzlose als Arbeitnehmer beteiligt ist, da es sich hier
um Interessen handelt,- die dem theoretisch gebildeten Juristen von Haus aus fern
zu liegen pflegen. „In diesem Zustande der Besitzlosigkeit, der zum Abschluß von
Arbeitsverträgen drängt, befinden sich' bekanntermaßen nicht bloß einzelne, sondern
Millionen. Für Millionen bedeutet daher der Arbeitsvertrag eine ökonomische Zu-
fluchtsstätte, die zwar nicht vom Rechte bereit gehalten, aber insofern garantiert
wird, als innerhalb ihrer Grenzen der Kampf ums Dasein mit den geringsten
Mitteln und in anerkannten Formen geführt werden kann. Diese Natur des
Arbeitsvertrags ist die Ursache seiner Häufigkeit und damit auch seiner Bedeutung.
Denn es ist zwar bei zahlreichen Arbeitsverträgen auch der Arbeitnehmer ein
Kapitalist und kann die Arbeitsverträge nicht ohne bedeutende, kostspielige Arbeits-
mittel eingehen. Noch viel zahlreicher aber sind die Arbeitsverträge, bei denen der
Arbeitnehmer von Arbeitsmitteln entblößt und auf den Entgelt gewährenden
Arbeitsvertrag angewiesen ist, den er aus Grund seiner bloßen Arbeitskraft ein-
zugehen vermag. Da seine Existenz in diesem Fall an den Empfang Les Entgeltes
geknüpft ist, so ist sein Interesse, den Entgelt nicht, auch nicht teilweise oder zeit-
weise, vorenthalten zu sehen, seiner Lage nach das dringendste. Und da seine
Arbeitskraft, als Teil seiner Lebenskraft und als Quelle seiner Arbeit, ihm zugleich
Zweck und Mittel ist, so ist sein Interesse an Hintanhaltung ihres Brachliegens
wie ihrer Vergeudung, ihres Mißbrauchs wie ihrer Gefährdung ebenfalls das
dringendste. Beide Interessen stehen für ihn bei der Vollziehung eines Arbeits-
vertrags auf dem Spiel, auf ihre Wahrung kann die rechtliche Ordnung des
Arbeitsvertrags großen Einfluß haben."
Unter Arbeit versteht der Verfasser jede menschliche Tätigkeit, die ein
fremdes Bedürfnis zu befriedigen vermag, und dementsprechend unter Arbeits-
Vertrag denjenigen zweiseitigen Vertrag, durch den sich der eine zur Leistung von
Arbeit, der andere zur Gewährung von Entgelt verpflichtet. Es fallen sonach
unter diesen Begriff nicht bloß der Dienst- und Werkvertrag des BGB, sowie die
in einzelnen Gesetzen — z. B. im Handelsgesetzbuch, der Seemannsordnung, den
Gesindeordnungen usw. — besonders behandelten Tatbestände, sondern namentlich
auch der sog. gewerbliche Arbeitsvertrag, dessen eigenartige Verhältnisse in der
Gewerbeordnung nur zum Teil eine gesetzliche Regelung erfahren haben. Die Be-
deutung des Arbeitsvertrags in dem vom Verfasser angenommenen Sinne besteht
„in der Menge und Mannigfaltigkeit seiner Anwendung, die ihn als Schwungrad

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