Full text: Volume (Bd. 14 (1904))

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Verstümmelung telegraphischer Mitteilungen.

Verkehrszwecken der Post- und Telegraphenanstalt aber gar keine Beziehung
habeil. Der Grund, aus welchem das Berufungsgericht die Verantwortung
des Beklagten A. für den von ihm begangenen Fehler dem Kläger oder
B. gegenüber verneint, kann demnach nicht für richtig angesehen werden.
Zu billigen sind die Erwägungen des Berufungsurteils, aus denen
der Anspruch des Klägers abgewiesen wird, insoweit er aus eigenem Rechte
erhoben worden ist. Nach 8 839 Abs 1 Satz 2 des BGB kann ein Be-
amter wegen eines durch Verletzung seiner Amtspflicht verursachten Scha-
dens nur in Anspruch genommen werden, wenn der Beschädigte nicht auf
andere Weise Ersatz zu erlangen vermag. Dem Kläger ist aber gegen
den Absender des Telegramms, B., ohne Rücksicht auf ein Verschulden des
letzteren, ein Anspruch auf Schadensersatz aus 88 120,122 des BGB allein
wegen der unrichtigen Übermittelung der von B. aufgegebenen Bestellung
gegeben. Dieser Schadensersatzanspruch beschränkt sich zwar aus das so-
genannte negative Vertragsinteresse; der Kläger kann von B. nicht fordern,
was er haben würde, wenn das in der unrichtig übermittelten Depesche
enthaltene Angebot zu einem gültigen Vertrage geführt hätte, wohl aber,
was er durch sein Vertrauen auf die Gültigkeit der ihm übermittelten
Willenserklärung verlor. Da aber die vom Kläger an B. gesandten Fische
dem Verderben ausgesetzt waren und deshalb verkauft werden mußten,
Kläger sie also nicht zurückerhielt und sich mit dem geringeren Versteige-
rungserlöse abzüglich der Fracht- und anderen Unkosten begnügen mußte,
da ihm hierdurch die Möglichkeit anderweiter Verwertung der Fische ge-
nommen war, und B. ferner nicht zu einem bestimmten Preise, sondern
zum Tagespreise gekauft hatte, deckt sich der Verlust des Klägers in der
Tat mit dem eingeklagten Schaden, der sich aus der Differenz des Kauf-
preises der Fische und des ihm ausgeantworteten Versteigerungserlöses
und einem Betrage an Kosten des Klägers für den Depeschenwechsel mit
B. nach Ablehnung der nicht bestellten 6 Tonnen Stinte zusammensetzt.
Es bedarf mithin keiner weiteren Untersuchung, ob dem Kläger gegen B.
ein über das negattve Vertragsinteresse des 8 122 des BGB hinausgehen-
der Anspruch auf Schadensersatz zustehen möchte usw.
Ist also mit dem Berufungsgericht anzunehmen, daß dem Kläger
aus eigenem Recht ein Anspruch auf Schadensersatz gegen die Beklagten
zunächst nicht zusteht, so können dagegen die weiteren Erwägungen des
Berufungsgerichts, die diesen Anspruch auch aus dem übertragenen Rechte
des B. versagen, nicht gebilligt werden. Der Schaden, der dem B. ent-
standen ist und den er gegen die Beklagten verfolgen könnte, besteht frei-
lich nur darin, daß er seinerseits dem Kläger schadensersatzpflichttg ge-
worden ist. Indem aber dieser Schaden, wie er dem Kläger entstanden
und von B. zu erstatten ist, von den Beklagten, ihre Ersatzpflicht über-

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