Full text: Volume (Bd. 14 (1904))

Klein, „Erfüllung durch Herstellung" bei Schadenersatzobligationen. 31b
bigers ist (darin besteht die wirtschaftliche Bedeutung, darin der Wert des
Vermögens) gegen die Einwirkung des Schuldners abgeschlossen? Soll
daher der vom Schuldner gewollte Solutionseffekt im Gläubigervermögen
eintreten, so muß der Gläubiger sein Vermögen eröffnen, so müssen sich
Gläubiger- und Schuldnerwillen dahin zusammenschließen, daß die bewirkte
Leistung den Solutionseffekt herbeiführen soll. Diese Zusammenschließung
vollzieht sich als causa-Vertrag. Aber zum Vertrage, folglich auch zum
causa-Vertrage, bedarf es zweier Erklärungen, zweier Erklärungshand-
lungen! Finden sich nun diese beiden Erklärungshandlungen, durch die
der Solutionswille zum Ausdruck gebracht werden soll, in allen Fällen
der Erfüllung vor?
Unzweifelhaft bringt der Schuldner stets durch die Bewirkung seiner
Leistung als Erklärungshandlung den Solutionswillen, die causa-Offerte
zum Ausdruck? Und ebenso unzweifelhaft muß die Mitwirkung des Gläu-
bigers zur Leistungsbewirkung als Annahme der Zwecksetzungsofferte auf-
gefaßt werden? Damit wären für alle Fälle, in denen der Gläubiger zur
Leistung Mitwirken muß, die für das Zustandekommen des eau8a-Vertrags
notwendigen Erklärungshandlungen gegeben. Wie vollzieht sich indes der
eausa-Vertrag in den Fällen der Erfüllung, in denen der Gläubiger nicht
zur Leistung Mitwirken kann, in denen folglich diese Erklärungshandlung
für die Zwecksetzungsakzeptation fehlt? Ich nehme an, daß hier bereits im
Abschlüsse der Obligation die Annahme der schuldnerischen oarma-Offerte
durch den Gläubiger zu erblicken sei (antizipierter eausa-Vertrag)?
Schließt man sich dieser unserer Auffassung, daß die cau8a solvendi
sich stets vertraglich vollziehe, an, so ergibt sich eine Schwierigkeit, deren
Besprechung und Lösung den Gegenstand der folgenden Untersuchung bildet.
Es ftagt sich nämlich: wie vollzieht sich die eausa Bei ber Erfüllung (wenn
es sich hier überhaupt um Erfüllung handelt) deliktischer Verpflichtungen
durch Herstellung und wie bei der Erfüllung einer durch Vertragsverletzung
entstandenen Schadenersatzpflicht durch Herstellung? Man denke nur an
folgenden Fall:
A leiht seinem Freunde B die Digesten. In Gedanken versunken
läßt B das Buch, eine ungewohnt schwierige Lektüre, beim Durchblättern
zu Boden fallen. Das Buch löst sich aus dem Einbande. B wendet sich

4 vgl. Anm 2 S 2,- Klein a. a. O. S 14 ff.
6 Klein a. a. O. S 14 ff.
» Klein a. a. O. S 50 ff.
7 Genaueres in meinem Büchlein S 52—54. Der Gläubiger weiß beim Ab-
schluß dieser Obligationen, daß er zur Leistung nicht Mitwirken kann, und daher
mutz der Abschluß der Obligation als Erklärung des Gläubigers dahingehend ge-
deutet werden, daß er die Zwecksatzung des Schuldners annehmen will.

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer