Full text: Volume (Nr. 2 (1852))

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tium gerireri? Möglicherweise wie sein eigenes. Das versteht sich von selbst
bei Geschäften, die keine Rechtsgeschäfte sind; fremde Häuser reparirt man so
wie seine eigenen. Aber auch fremde Rechtsgeschäfte kann man so vornehmen,
wie seine eigenen; jener Sejus, der ein Darleihen aufnimmt, und dabei
mein Geschäft führt, kann ganz so handeln, wie wenn er lediglich sein Ge-
schäft führte: er braucht von mir nichts zu sagen, und wird selbst Schuldner.
Desgleichen bei Geschäften, in denen er erwirbt, er selbst Eigenthümer,
Gläubiger u. s. s. wird, und doch mein Geschäft führt. Aber es ist auch
möglich, daß derjenige, welcher mein Geschäft führt, in anderer Form
handelt, als der sein eigenes führt; er kann sich aufführen als einer, der
nicht für sich, sondern für mich handelt, indem er es z. B. in Fassung
der Worte zeigt, daß er in meinem Namen, für mich, stipulire, promit-
tire, paciscire. Wenn und so weit das Recht diese Form der Geschäfts-
führung mit der entsprechenden Wirkung versieht: daß in der That für
mich, und nur für mich stipulirt, promittirt, paciscirt ist: dann liegt auch
eine Stellvertretung vor, in der das Eigenthümliche dieses Institutes:
daß der Handelnde in die Lage des Nichthandelnden, und der Nichthan-
delnde in die des Handelnden kommt, — unmittelbar ausgedrückt ist.
Deswegen ist aber derjenige, welcher das fremde Geschäft wie sein eigenes
führt, nicht minder Stellvertreter 32); wenn nur seinem animus und der
Wirkung nach mein Geschäft geführt ist: die Formen und Wirkungen,
aus welchen dieser letzte Effect, meine Forderung, meine Schuld, hervor-
gegangen, sind gleichgiltig. — Wir werden einem schon angehobenen
Sprachgebrauchs zufolge die Stellvertretung letzterer Art die mittelbare,
jene die unmittelbare nennen.
Es gibt Stellvertretungen mit und ohne Vollmacht. Stellvertreter
ohne Vollmacht sind häufig die negotiorum gestores. Stellvertretungen
mit einer Vollmacht sind aber nicht zu verwechseln mit Stellvertretungen,
zu denen Vollmacht nothwendig ist. Mandatare könnten, was sie jetzt
mit Vollmacht thun, nicht selten als bloße negotiorum gestores, ohne
Vollmacht thun. Ebenso kann eine negotiorum gestio mit ratiüsbitio—
die wir der Vollmacht gleich stellen — verkommen, ohne daß diese zum
Dasein des alienum negotium und der Stellvertretung nothwendig wäre;
die ratihabitio mag dann die Wirkung haben, daß die aetio neg. gest.

12) Puchta a. a. £). nimmt ihn gar nicht als Stellvertretung, oder nur als ^un-
vollkommenen."

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