Full text: Volume (Nr. 2 (1852))

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Wenden wir, was von der condictio indebiti gilt, auf die condic-
tio mutui an — die Berechtigung dazu wird nicht bestritten werden —
so ergibt sich auf unsere Frage die Antwort, daß derjenige, in dessen Na-
men von einem Anderen eine Darlehensforderung eontrahirt wird, die
Forderung erwirbt, sofern das Darlehen mit seinem Gelde eontrahirt ist,
oder als mit seinem Gelde eontrahirt erscheint. Die Frage selbst war
demnach nicht auf den entscheidenden Punkt gestellt; alles kommt darauf
an, ob das Darlehen als Darlehen des Dritten zu betrachten sei; die
Frage nach der voluntas steht auf zweiter Stufe, soferne nämlich weiter
gefragt wird, ob das Darlehen ohne voluntas des Dritten als das seinige
erscheinen könne oder nicht. Die schiefe Fragestellung hat auch schiefe
Vorstellungen erzeugt; man stellte sich vor, es komme darauf an, ob man
ohne alles Zuthun eine Forderung erwerben könne, und G. Noedt88)
wie Donellus^) forderten voluntas, weil invito beneficium nicht auf-
gebürdet werden könne; während doch fest stund, daß gerade Condietionen
ohne Wissen und Willen erworben werden können. Aus der vollen Frage,
ob das Darlehen gewollt sein müsse, war also die einseitige geworden:
ob die Darlehensforderung gewollt sein müsse.
Kehren wir zu der primären Frage zurück: „Wann das Darlehen
als Darlehen des Dritten erscheine," so ist vor allem klar, daß es nicht
schon der Fall ist, wenn, obgleich auf seinen Namen, des Dritten eigenes
Geld hingegeben wurde; hier muß eine Vollmacht zur Veräußerung hin-
zukommen, damit überhaupt ein Darlehen entstehe. Ist aber diese da
— und sie kann nicht nur in einem Mandat, sondern auch offiziell (als Tu-
torium re. 85) da sein, — dann mag es kommen, daß nicht nur Pupillen,
Minderjährige, Wahnsinnige, juristische Personen, von dem betreffenden
Darlehenseontraete nichts wußten und wollten, und dennoch Gläubiger
wurden, sondern auch Mandanten. Mandanten sind auch diejenigen, welche
einen procurator omnium bonorum ausstellen, oder ihm doch einen Ad-
ministrationskreis anweisen, in welchem unter anderem Ausleihung von
Geldern fällt. Nur im Allgemeinen wollen sie auch letztere, auf das ein-
zelne Geschäft erstreckt sich weder Wissen noch Wollen; ja dieses kann

83) dommeut. in lidros 27 kand. — ad v. 12, 1.
84) a. a. O. Anm.
65) Dgl. Rudorfs, das Neckt der Vormundschaft 2.Band S.331. zu 1.8. n.1.16.
D. adm. tut.

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