Full text: Volume (Nr. 4 (1853))

7

hat nicht gerastet; er fühlte sich nach einem allgemeinen Grunde gedrängt,
als er, wenn auch mit andern Worten, sagte, daß die Einheit der C. O.
in dem Willen der Parteien ihren Grund habe. Freilich hat er da-
mit auch einige widerstrebende Fälle, wie z. B. die untheilbaren Obliga-
tionen, ohne weitere Rechtfertigung aus der Liste der Correalobligationen
gestrichen (vergl, Pand. §. 233). Endlich hat Savigny diese Frage auf-
gegriffen.
„Zunächst — sagt er (§. 17. S. 144.) — sind die Entstehungs-
Gründe eines solchen exceptionellen Verhältnisses" (der C. O. nämlich)
„anzugeben. Diese Griinde lassen sich einfach auf folgenden gemeinsamen
„Gesichtspunkt zurückführen. Die Ausnahme (Correalität) tritt ein,
„wenn die Personen, durch deren Thätigkeit die Obligation erzeugt wird,
„es so wollen." So weit hätten wir allerdings einen einfachen Gesichts-
punkt und überdieß einen Zuwachs zu der schon durch Puchta begonne-
nen Autorität; allein „ohne diesen Willen tritt sie nur in dem ein-
zigen Fall ein, wenn die Obligation selbst untheilbar ist, und auch hier
„nur für das Verhältniß mehrerer Schuldner;" dadurch wird die Ein-
fachheit immerhin etwas gestört. Sehen wir nun aber einmal von dieser
Störung ab und lassen den Willen der Disponenten allwirkenden Grund
sein, so drängt sich die weitere Frage auf: Warum wollen die Dispo-
nenten „Eine" Obligation? Niemand wird läugnen, daß Eine Obliga-
tion neben mehreren Schuldnern oder Gläubigern etwas von einer Para-
doxie hat; wer diese will, soll wissen warum. Wir empfinden darum
eine besondere Befriedigunglya), daß der Verfasser diesem Warum einen
eigenen Paragraphen widmet; denn die „practische Bedeutung," von der
dieser handelt, fällt mit dem, was die Parteien wollen, zusammen. Den
Kern seiner Ansicht hierüber gibt uns aber der Verfasser mit folgenden
Worten (S. 217): „Es läßt sich ganz allgemein und bestimmt angeben,
„worin die wahre practische Bedeutung der Cor realschuld, verglichen
„mit einem unter mehreren Personen getheilten Schuldverhältniß be-
„steht. Dem Gläubiger soll dadurch eine freiere Macht verliehen werden
„in der Verfolgung einer Schuld; das ist die wahre practische Bedeutung."
Diese freiere Macht des Gläubigers in Verfolgung einer Schuld wird

C. O.j in dem constituirenden Willen der Partheien ihren Grund habe. Aber
erstere Fassung trifft den fraglichen Punkt besser, und wahrscheinlich will Puch-
ta auch in der zweiten nichts anderes.
10a) Dgl. Rudorfs in der 6. Aufl. von Puchta'3 Pandecten. §. 233. rwt. a.

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer