Full text: Volume (Nr. 4 (1853))

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Auslagen; damit auch die Obligirung zum Ersätze aller Auslagen. Hier
möchten wir daher die Ungetheiltheit der Ersatzpflicht einzig darin suchen,
daß sie, nicht selbstverschuldet, sondern selbst gewollt ist.
Um nun Alles zusammenzufassen, so sagen wir:
1) Ein solidarisches Schuldverhältniß besteht darin, daß Einer von
Mehreren allein haftet, oder daß er, obgleich Alle hasten, ungetheilt
hastet.
2) Die ungeteilte Haftung Mehrerer kann überall Vorkommen, wo
überhaupt solidarische Schuldverhältniffe Vorkommen: bei Delicten, Quasi-
contracten (Vormundschaft, Magistratur) und Contracten; alleinige Haf-
tung fällt nur auf, wo aus mehreren Contrahenten oder Quasicontrahen-
ten blos Einer haftet.
3) Grund der alleinigen Haftung ist: alleinige Verschuldung; Grund
der ungeteilten Haftung: Unteilbarkeit dessen, worin man verschuldet
(restituere — negotiorum administratio — Schadensstiftung der De-
licte) und die Schuld (culpa, dolus) selbst. Die ungeteilte Haftung
mehrerer Mandatoren beruht in der Untheilbarkeit des Mandats.
Zum Schlüsse noch eine Vergleichung mit der Correalobligation.
Eine Aehnlichkeit liegt darin, daß hier und dort Mehrere für dasselbe
haften können, und einmalige Erfüllung hier und dort Alle befreit. Aber
der C. O. ist die Mehrheit der Personen so wesentlich, daß ohne diese
eine C. O. gar nicht aufkommen kann; das Wort correi drückt etwas
Notwendiges aus; hier dagegen ist die Mehrheit der Personen etwas
Zufälliges. Bei der C. O. rührt ferner die Einheit der Erfüllung aus
der Einheit der Obligation her; hier dagegen aus der Beschaffenheit der
mehreren Obligationen; sie gehen immer auf Ersatz desselben Dinges;
der Ersatz ist nur einmal möglich. Sie sind sich ferner ähnlich durch
Solidarität der Haftung; allein die Solidarität des solidarischen Schuld-
Verhältnisses beruht oft blos in Alleinigkeit der Haftung, und wenn es
sich als Ungetheiltheit der Haftung zeigt, beruht diese auf ganz anderen
Gründen, als die Ungetheiltheit der C. O.; letztere beruht auf der Iden-
tität der mehreren Haftungen; jene dagegen auf einer Untheilbarkeit
der Verpflichtung und auf Verschuldung. So kommt denn das solidari-
sche Schuldverhältniß auch nur auf passiver Seite vor. Wie die Mehr-
heit der Personen in solidarischen Schuldverhältnissen zufällig ist, so hat

116) s. oben Anm. 86.

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