Full text: Volume (Nr. 4 (1853))

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wenigstens keine Vertretung möglich ist. Vertretung begreift jene zwei
Dinge in sich, aus welchen auch Savigny die C. O. abteitet: größere
Bequemlichkeit und größere Sicherheit; sie ist eine Verkörperung dieser
zwei Bedürfnisse. Fassen wir die Vertretung als Sicherheit, — als Be-
quemlichkeit kann sie hier nicht zur Sprache kommen, — so sind capitis
deminutio und confusio Ereignisse, wogegen, nicht worin die Par-
teien Vertretung haben möchten; es liegt im Sinne der Parteien, daß die
Uebrigen gerade dafür, daß ein solches Ereigniß eintritt, gut seien.
Waren Ereignisse dieser Art die gewöhnlichen Aufhebungsarten der
Obligation, dann würde gewiß Mehrheit der Obligationen Regel der C.
O., Einheit aber Ausnahme sein.' So nun aber verhält sich die Sache
billigerweise umgekehrt. — Mit dieser unserer Ansicht über den Grund
der Einheit und ihrer Consequenzen einerseits und ihrer Ausnahmen an-
derseits steht im Einklang, daß die Unterbrechung der Klagverjäh-
rung durch Einen Gläubiger oder gegen Einen Schuldner — als ein die
gemeinschaftliche Obligatio betreffendes Geschäft — gemeinsam wirkt
daß hingegen der Stillstand der Verjährung, welcher sich in der Person
eines Unmündigen ereignet, nach Savigny's gewiß richtiger Behaup-
tung nur für diesen eintritt (Sa v. §. 19 nro. 12.), und daß ebenso die
Restitution eines Minderjährigen gegen Uebernahme einer Correalschuld
nur diesem zu gute kommt. (Sav. a. a. O. nro. 13).
Eine eigene Stellung scheint uns das pactum de non petendo einzu-
nehmen. Daß dieses, selbst wenn es in rem abgeschlossen wurde, nur
für oder gegen die Person des Pacistenten wirkte (mit Ausnahme der
Fälle, wo dieser dabei interessirt war, daß die exceptio auch den Anderen
zustehe, Sav. §. 18 nro. 6.) dürste als ein Rothbehelf zu bezeichnen
sein. Wo mehrere Schuldner oder Gläubiger sind, kann es Bedürfniß
werden, den Einen oder Anderen freizulassen, oder von ihm abzukommen,
gleichviel ob sie in Einer oder ob sie in mehreren Obligationen nebenein-
anderstehen. Natürlich will man, wo es sich blos um Freilassung oder
Ausscheidung eines Einzelnen handelt, die Forderung selbst nicht aufge-
ben. Es ist Sache der Jurisprudenz, diesem Wunsche oder Bedürfniß,
da ihm ein Recht dazu zur Seite steht, entgegenzukommen. Aber in wel-
cher Form? Wo den mehreren Gläubigern oder Schuldnern mehrere Ob-

61) 1. 5. C. öllob. r. (8, 40.)

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