Full text: Volume (Nr. 3 (1853))

43

Darum ist eine stipulatio, der es irgendwie an der nöthigen Form ge-
bricht, auch keine naturalis stipulatio (s. oben S. 26); unter den Mängeln
der naturalis obligatio darf der Formmangel (Savigny S. 32. Puchta
§. 237) nicht aufgezählt werden.
Hiernach bedarf es kaum der Erwähnung, daß ein Contract, wel-
chem es an dem zu Verträgen nöthigen Consense gebräche, auch keine na-
turalis obligatio bewirken könnte; und ebensowenig ein Contract, dem die
zu Rechtsgeschäften nöthige Handlungs- (Willens)- Fähigkeit schlechthin
abginge; furiosi und infantes können auch keine naturalis obligatio con-
trahiren. Erst in der Person des infantia major scheinen die naturalis
und die civilis obligatio auseinander zu gehen.
So viel von der Entstehung und deren Erfordernissen; wir sehen,
daß sie ziemlich weit an die der civilis obligatio hinanreichen. Forschen
wir nun nach dem, was hiernach zu einer civilis obligatio noch fehlen
könnte, so ist so viel gewiß, daß aller Mangel nur noch auf Seite der
Person sein kann; Entstehungsgrund, Form, Inhalt der naturalis und
civilis obligatio sind Eins; es bleiben nur die Subjecte der Obligation
übrig und man braucht auch den Kreis der hieher gehörigen Obligationen
nur anzuschauen, um überzeugt zu werden, daß die Klaglosigkeit der al-
so entstandenen obligatio von den Personen (Pupille, filiusfamilias, Sklave
Gewaltverbundene) herrührt.
Mehr aber, als daß die Klaglosigkeit auf Seite der Person liegt,
wird man allgemein nicht sagen können; namentlich ist es zu eng,
mangelhafte Handlungs- oder Rechtsfähigkeit 74) als den Grund dieser
Klaglosigkeit zu bezeichnen. Wir geben zu, daß der Pupille aus Mangel
an vollkommener Handlungsfähigkeit nicht klagbar verpflichtet wird (sofern
er nicht bereichert ist), und daß der Sclave, wiewohl er im Stande ist,
klagbare Obligationen zu begründen, wegen mangelnder Rechts- (Wehr-)
Fähigkeit dock nickt in eigener Person verklagt werden kann; aber der
filiusfamilias ist sowohl handlungs - als rechtsfähig 75)j wenn er aus
dem Darlehen nicht belangt werden kann, so ist das nicht persönliche
Schwäche, und auch die Klaglosigkeit seiner Forderungen und Schulden
gegenüber dem Vater rührt nicht von mangelhafter Handlungs - oder
Rechtsfähigkeit her; es liegen hier ganz neue und eigenthümliche Gründe

74) S. oben S. 33.
75) vgl. v. Scheurl Beiträge zur Bearbeitung des R. Rechts. 2tes Heft.1852. S. 234.

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer