Full text: Volume (Nr. 3 (1853))

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eben dieser Allgemeinheit wegen, nicht auf ihn eingehen. Gegen den
zweiten, (mangelhafte Rechtsfähigkeit, oder Handlungsfähigkeit) wohin
namentlich die Obligationen zwischen Vater und Sohn gehören, sind wir
nicht ganz ohne Bedenken. Ist der Sohn seiner Handlungs- oder Rechts-
fähigkeit nach unfähig, obligirt zu werden? Dagegen dünkt uns wieder-
um der dritte (Strenge Consequenz des Civilrechts, die im jus Pentium
nicht anerkannt ist) in gewissem Sinne haltbar.
Am wichtigsten scheint uns aber der dritte Punkt unserer Theorie:
der Grund warum die naturalis obligatio noch obligatio ist, zu sein.
Die Rechtsquelle ist vorbereitend, die Mangelhaftigkeit etwas Negatives;
dieses dritte Warum dagegen soll uns zu dem entscheidenden Grunde
eines positiven Daseins führen. Zugleich zu einem Ergebniß, das für
unser heutiges Recht und künftige Fälle am wichtigsten ist. Denn der
Unterschied der Rechtsquellen, wenn er je von Einfluß war auf die Ent-
stehung der naturalis obligatio, ist gefallen, die Mangelhaftigkeiten der
Geschäfte ändern sich mit den Erfordernissen; nur in dem Grunde, wes-
halb die Römer in so verschiedenen Fällen zwischen einer bloßen Pflicht
und einer obligatio, oder zwischen einem entschiedenen Nichts und einem
vollendeten Etwas ein Mittelding erkennen und festhalten zu müssen glaub-
ten, scheint wo nicht ewige Brauchbarkeit, so doch unversiegliche Beleh-
rung, und ein zu freier Nachbildung zugleich ermunterndes, und befähi-
gendes Vorbild liegen zu können. Nun aber findet der Verfasser, was
wir suchen, abermals in dem Unterschied der Rechtsquellen: ob die
Klaglosigkeit juris civilis oder juris gentium sei. Ist das richtig, so
möchten wir die naturalis obligatio lieber ganz antiquiren, als festhalten
und weiterbilden; denn jene Unterscheidung, schon auf dem Boden des
Römischen Rechtes so schwierig, ist heutzutage völlig undurchführbar.
Woran sollen wir uns halten, um zu bestimmen, ob die Theodosia-
nische Klagverjährung juris civilis oder gentium sei? Wenn daran,
daß nach dem Gedanken des jus civile das Recht ewig ist^), so kann
die Klagverjährung wenigstens nicht juris civilis sein; denken wir daran,
daß ohne die Klagverjährung der Kläger lang vergessene Zustände „auf
unredliche Weise mißbrauchen 60)" könnte, so mahnt uns das Institut sehr

59) Vgl. 1. 56. §. 4. D. v. o. (45, 1).
60) Dgl. Savigny, System V. S. 272 oben.

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