Full text: Volume (Nr. 3 (1853))

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wir nicht irren, ist folgendes seine Antwort: Alle Nichtigkeit, Un-
wirksamkeit, Aufhebung der Obligationen des Römischen Rechts entspringt
aus einer doppelten Nechtsquelle: dem jus civile oder dem jus gentium.
Beide Rechtsauellen können der Obligatio zugleich entgegenstehen; aber es
ist möglich, daß ihr auch eine allein, das jus civile (oder das jus gen-
tium) zuwider ist. Wo nun beide Rechtsquellen im Wege stehen, da ist
schlechthin keine Obligation möglich: einerlei, ob sie gleich anfangs, oder
nachher, ob sie ipso jure oder ope exceptionis nichtig oder unwirksam ist
oder werde. Ganz anders, wenn nur das jus civile entgegensteht,
dagegen aber nach jus gentium eine Obligation vorliegt r Hier ist
nur keine klagbare, wohl aber unsere klaglose naturalis obligatio da.
Wie es sich verhält, wenn jure eivili eine obligatio vorliegt, jure
gentium aber nicht b7), wird nicht ausdrücklich hervorgehoben; unzwei-
felhaft läßt aber der Verfasser hier keine naturalis obligatio zu ^8).
Wir können von dieser Antwort nicht scheiden, ohne hervorzuheben,
wie sehr sie mit dem Ausgangspunkte der ganzen Theorie zusammenhängt
und zusammenstimmt; jus gentium ist die unterste Quelle unserer Obli-
gationen; aus den Entstehungsgründen des jus gentium geht sie hervor,
durch jus gentium wird sie gegen das jus civile so gut als möglich ge-
schirmt, durch jus gentium aber auch ausgeschlossen. Wir haben auch
äußerlich in dieser zweiten Antwort viel mehr Einheit, als in der ersten
— eine vollendete Formel. — Was nun aber die Wirkungen der nat.
obligatio, unsere dritte und vierte Frage anlangt, so werden dieselben
wohl allgemein, (§. 8.) und bei den einzelnen Fällen der naturalis obliga-
tio, aufgezählt; allein eine Theorie derselben ist nicht versucht.-
So sind es denn drei Punkte, auf denen sich die Theorie des Ver-
fassers bewegt: die Rechtsauelle, aus der alle naturales obligationes ent-
springen; die Ursache, derenthalben sie blos natursles (klaglos), der Grund
weßhalb sie immer noch obligationes (von gewisser rechtlicher Wirksamkeit)
sind. Soll sich sofort der Leser ein Urtheil bilden über das Ergebniß der-
selben, so mag er zuerst erwägen, wie es sich mit dem jus gentium als
der einzigen Rechtsquelle der natursles obligationes verhält. Er dürste
uns beistiwmen, daß es gerade da, wo am meisten auf seinen Charakter

57) S> z. B. pr. §. 5. J. exc. (4, 13).
58) Vgl. über all das §. 13.

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