Full text: Volume (Bd. 15 (1905))

3.2.2.4. Mäklervetrag, ursächlicher Zusammenhang zwischen der Bemühungen des Mäklers und dem Vertragsabschlusse. Umgehung des Mäklers durch den Auftraggeber? (BGB. § 652.)

Mäklervertrag, ursächlicher Zusammenhang. 91
solchen Vertrags waren die 2 °/„ nicht versprochen. Auf der anderen Seite
können die erwähnten Abweichungen des zustande gekommenen Vertrags
von dem beabsichtigten nicht dazu führen, die Klage gänzlich abzuweisen.
Denn die Beklagten konnten, wenn sie sich aus den durch E. ängebahnten
Vertrag abweichenden Inhalts einließen, die in dieser Beziehung von E.,
als gewerbsmäßigem Agenten,; entwickelte Vermittelungstätigkeit nicht un-
entgeltlich, sondern nur gegen eine, seinem billigen Ermessen unterstehende
Mäklergebühr erwarten, die nunmehr, nachdem über ihre Höhe Streit ent-
standen ist, durch Urteil besttmmt werden muß (BGB. §§ 242, 315). In
Berücksichtigung aller dargelegten Umstände erachtet das Berufungsgericht
eine Mäklergebühr von 250 M. als der Sachlage entsprechend und ange-
messen.
d) Mäklervertrag, ursächlicher Zusammenhang zwischen den Bemühungen
-es Mäklers «nd. dem Vertragsabschlüsse. Umgehung des Mäklers
durch den Auftraggeber? (BGB. 8 652.)
(Urteil des Oberlandesgerichts Dresden vom 3. März 1904. 1 0 183/03.)
Die Klägerin fordert in abgetretenen Rechten eines Agenten E. 1000 M.
samt Zinsen von dem Beklagten, weil dieser mit dem Kaufmann F. in Dresden
einen den Austausch zweier Grundstücke betreffenden Vertrag abgeschlossen
habe, der Vertrag aber infolge der Vermittelung des E. zustande gekommen
und diesem zuvor vom Beklagten, „falls das Geschäft zustande komme",
1000 M. versprochen worden seien.
Die vorige Instanz hat den ursächlichen Zusammenhang zwischen
dem Abschlüsse des Tauschverttags und den Bemühungen des Zedenten
verneint, mit Rücksicht hieraus aber die erhobene Klage abgewiesen.
Die Berufung wurde zurückgewiesen:
’ Mit der Feststellung, daß ebenso wie der Agent E. auch der Beklagte
seinerzeit auf die F.sche Annonce eine Offette eingesandt hat,* wird nach
Ansicht des Berufungsgerichtes unter den obwaltenden Umständen jedem
Ansprüche der Klägerin der Boden entzogen. Denn F. hat beide Offerten
gleichzeitig erhalten und beide zur engeren Wahl mit zurückgelegt, ist aber
keineswegs durch den inzwischen erfolgten Besuch des E. veranlaßt worden,
sich an den Beklagten zu wenden. Die mit letzteren persönlich und ohne

1 Der Kaufmann F. hatte im Dresdener Anzeiger annonciert, daß er ein
Grundstück kaufen wolle, wenn der Verkäufer ein größeres Warenlager mit in
Zahlung nehmen würde. Auf dieses Gesuch hatte F. Offerten von Gc. sowie vom
Beklagten bekommen, sich dann zu Beklagtem begeben und mit ihm sich über den
Kauf geeinigt.

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