Full text: Volume (Bd. 15 (1905))

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Große Haverei.

ROHG. 8, 218) nur als Hauptbeispiele der großen Haverei anzusehen,
durch welche eine anderweitige Anwendung des § 78 nicht ausgeschlossen
wird, sofern die allgemeinen Voraussetzungen desselben gegeben sind.
Diese Voraussetzungen müssen andrerseits auch in den Fällen des § 82
jedesmal zutreffen, damit große Haverei angenommen werden kann, denn
die einzelnen Nummern des § 82 haben nur die Bedeutung, für jeden
betreffenden Fall die Folgen, nicht aber den Begriff der großen Haverei
in erschöpfender Weise festzustellen. Hinsichtlich des Umfangs der
zur Verteilung zu bringenden Schäden und Kosten haben aber bestimmte
Grenzen gezogen, es hat etwaigen Zweifeln und Streitigkeiten vor-
gebeugt, namentlich aber der Geltendmachung übermäßiger Ersatzansprüche
aus Schäden, welche nur mittelbar durch große Haverei veran-
laßt sind, entgegengetreten werden sollen. Unter diesem Gesichtspunkte
sind die einzelnen Klagforderungen zu prüfen, soweit sie nicht, wie die
Forderungen von zusammen 551 M., unstreitig in dieselbe gehören. Im
einzelnen wird sodann dargelegt, daß die Vergütung von 20 M. für Be-
mühungen des Havereikommissars der Klägerin, M., nicht unter die in
8 82 Ziff. 2 ausgeführten Ableichterungsschäden und -kosten zu bringen sei,
da M. zwar auf Benachrichtigung des Schiffers D., aber nicht bei der Ab-
leichterung. sondern zur Wahrung der Interessen seiner Versicherungsgesell-
schaft tätig geworden sei, daß ferner der Betrag von 168 M., dem Schiffer D.
angeblich für vier Liegetage am Havereiorte gebührende Entschädigung,
ebensowie der Ansatz von 15,20 M. für angeblich anläßlich der Haverei
und der Ableichterung für Depeschen und Briefporto erwachsene Auslagen
auszuscheiden sei, da diese Kosten nur im Jntereffe der Versicherungsgesell-
schaft ausgewendet und in § 82 Ziff. 2 nicht mit aufgezählt seien.
Die Gründe fahren dann fort:
Es verbleiben somit nur die von der ersten Instanz auf 247,80 M.
veranschlagte Wertsverminderung der im Kahn zurückgebliebenen Kohle,
der Wertsverlust von 65,96 M. für bei der Ableichterung in Verlust ge-
ratene 136 Zentner Kohle und 32,22 M. Schaden an der abgeleichterten
und am Lande öffentlich versteigerten Kohle, sowie endlich 63 M. an D.
und seine Bootsleute für ihre Hilfe bei der Ableichterung als nach 8 82
Ziff. 2 unter die große Haverei fallende Posten übrig. Für die Berech-
nung maßgebend ist insoweit nach 8 85 des BinnenSchG. der § 712 des
HGB.; denn auch das Verschwinden der 136 Zentner ist als eine Be-
schädigung der Ladung im Sinne der letzteren Gesetzesstelle anzusehen —
eine Aufopferung von Gütern nach § 711 des HGB. steht nicht in
Frage, weil der Verlust nicht vom Schiffer vorsätzlich herbeigeführt worden
ist. Die Vergütung für Güter, die eine zur großen Haverei gehörige Be-
schädigung erlitten haben, wird aber gemäß 8 712 durch den Unterschied

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