Full text: Volume (Bd. 15 (1905))

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Aktiengesellschaft, Aktionär, Schädenanspruch.

Aktiengesellschaft zu den Zeichnern der Aktien, während im vorliegenden
Falle die Kreditanstaltsaktien, um die es sich handelt, vom Kläger nicht
gezeichnet, sondern im freien Verkehre gekauft worden sind. Die recht-
liche Beurteilung bleibt indessen dieselbe. Auf den Zeitpunkt, wann, und
die Form, in welcher die Mitgliedschaftsrechte an der Aktiengesellschaft er-
worben worden, kann es nicht ankommen. Wer im Gründungsstadium
des Aktienunternehmens Anteilscheine zeichnet, befindet sich nach geschehener
Eintragung der Gesellschaft im Handelsregister dieser gegenüber in keiner
andern Rechtslage, als wer erst im spätem Verlaufe des Unternehmens
derartige Anteilscheine (Aktien) durch Kauf an sich bringt. Beide sind Teil-
nehmer der Gesellschaft geworden: der eine, indem er durch seine Einlage
das Grundkapital unmittelbar mit aufbringen hilft, der andere dadurch,
daß er die Kapitalsbeteiligung des ersten Einlegers übernimmt. Ist es
dem Zeichner von Aktien verwehrt, seine Kapitalsbeteiligung auf dem
Wege der Anfechtung des Gesellschaftsvertrags rückgängig zu machen oder
Schädenansprüche gegen die Gesellschaft zu erheben, weil er durch arg-
listige Täuschungen der Gesellschastsorgane zur Beteiligung verleitet worden
sei, so muß dem Käufer von Aktien dies Recht ebenfalls versagt bleiben
(vgl. auch RG. 54, 131; Sievers in der DJZ. 1903 a. a. £>.).* **

* In den Gründen wird noch ausgeführt, daß eine andere rechtliche Beurtei-
lung auch nicht hinsichtlich der 52 Stück Kreditanstaltsaktien einzutreten habe, die
der Kläger durch die Beklagte selbst habe ankaufen lassen; hinsichtlich dieser Men
habe zwar zwischen den Parteien nebenher ein Kommissionsverhältnis be-
standen, das die Beklagte zur Betätigung der Sorgfalt eines ordentlichen Kauf-
manns verpflichtet habe, es handele sich aber nur um eine Verpflichtung der Aktien-
gesellschaft im Verhältnis zu ihrem Aktionär. Dieses Verhältnis werde in
erster Linie von den Normen des Aktienrechts beherrscht, nicht von den Grund-
sätzen des bürgerlichen Rechts; brauche die Gesellschaft deni Aktionär nicht für den
Schaden aufzukommen, den er durch ein d e lik tisch es Verschulden ihrer Organe
erlitten habe, wofern ihm der Schaden nur gerade durch seine Beteiligung an der
Aktiengesellschaft, also in seiner Eigenschaft als Monär, erwachsen sei, so brauche
sie es noch viel weniger, wenn ihren Vertretem in dieser Beziehung bloß ein ver-
tragsmäßiges Verschulden zur Last falle. Auch sei bei der Ausführung des
Kommissionsgeschäfts selbst nichts versehen worden; nach der Darstellung des
Klägers habe" vielmehr das Verhalten der beklagtischen Vertreter vor Erteilung
des Kommissionsauftrags den Schaden verursacht.
** Die Revision gegen dieses Urteil ist zurückgewiesen durch Urteil des Reichs-
gerichts vom 18. Oft. 1905. I 154,05.

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