Full text: Volume (Bd. 15 (1905))

474 Söul fert, Das Kgl. Sachs-OLG. vom 1. Okt. 1879 bis zum 1. Okt. 1904.
geworden sein, nunmehr in sämtlichen Senaten und allen An-
nmlten170 gegenüber dem wörtlichen Ablesen wenigstens der Tatbe-
stände 171 unnachsichtlich und beharrlich172 entgegenzutreten. Wenn das einige
Zeit lang energisch durchgeführt wird', werden sich sämtliche Anwälte dem
ohne weiteres fügen, und es ist in der Tat nicht einzusehen, warum sich nicht
auch bei uns in allen Senaten eine Handhabung des Vortrags erreichen
lassen sollte, wie sie den Vorschriften der ZPO. genügt und wie sie beim
Reichsgericht und jetzt wohl bei sämtlichen übrigen Oberlandesgerichten
stattfindet.
Das Oberlandesgericht würde damit seinem Beschluß vom 11. Febr.
1897, dem bisher, obwohl er mit den Vorstellungen und Zusagen der
Anwälte vom 18. Sept. 1903 im Einklänge steht, leider nicht überall
und nicht immer nachgegangen worden ist, endlich durchweg die ihm ge-
bührende Beachtung sichern.

Dieser kurzen Skizzierung dessen, was mir aus der bisherigen Ge-
schichte unseres Oberlandesgerichts erwähnenswert erschien,*^ habe ich zum
Schlüsse nur noch weniges hinzuzufügen. Aus meinem Berichte wird sich,
wie ich hoffe, wenigstens das eine herauslesen lassen, daß das OLG. Dresden
Saxonicus 1, 742 ff.: „Binnen währenden Sessionen sollen unsere Räte keine Acta
lesen, Rationes decidendi oder Urthel absassen, ... vielmehr auf dasjenige so er-
fordert wird, genau Acht haben, damit wenn es zum Votiren kömmt, selbige ihre
Meynung mit erforderlichen Rechtsgründen pflichtmäßig ad Protocollum geben
können."
170 Das ist das Entscheidende. Läßt ein Senat das Ablesen zu, so werden
damit alle übrigen in ihrem Bestreben, den Übelstand zu beseitigen, gelähmt.
Wird es einem Anwalt einmal gestattet oder nachgesehen, so kann man es keinem
mehr verbieten. Höchstens könnte man bei ganz kurzen und klaren Tatbeständen
eine ausdrücklich auf solche zu beschränkende Ausnahme machen.
m Auch das Ablesen der zweitinstanzlichen Schriftsätze sollte niemals ge-
duldet werden. Freilich sind sie meist zum fteien Vortrage wenig geeignet, weil sie
sich oft in eine verwirrende Unzahl einzelner, unter sich und mit der Hauptftage
wenig zusammenhängender Behauptungen verlieren. „In der Beschränkung zeigt
sich erst der Meister."
m Auf die Gefahr einer Vertagung und, wie Präsident Werner schon 1887
vorgeschlagen hat, im äußersten Notfälle unter Anwendung von 8 136 Abs. 2
der ZPO.
178 Ich bin darauf gefaßt, daß mir Jherings: „nicht alles Geschehene ist
Geschichte", entgegengehalten und daß meine Arbeit außerhalb Sachsens wenig Be-
achtung finden wird. Allein ich tröste mich mit dem Goetheschen: „Wie frucht-
bar ist der kleinste Kreis, wenn man ihn wohl zu pflegen weiß," und hoffe, daß
der Aufsatz wenn nicht für alle sächsischen Juristen, so doch mindestens für die
bisherigen und die künftigen Mitglieder unseres Oberlandesgerichts ein gewisses
Interesse bieten werde.

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