Full text: Volume (Bd. 18 (1858))

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OsenLrüggen:
fett und darunter stehen diejenigen Aussprüche der Quellen, welche
eine gleiche Bestrafung des Thäters und der Mitschuldigen Vor-
schreiben. Iarcke "), nachdem er den Satz hingestellt hat, das
ältere germanische Recht unterscheide nicht scharf zwischen den ver-
schiedenartigen Theilnehmern an einem Verbrechen, dafür aber nur
Sachsensp. II, 13 und eine falsch verstandene Stelle des Schwa-
bensp. anführt, fügt hinzu: „Auch pflegt hier ja schon meistentheils
aus dem Grunde für alle Theilnehmer die gleiche Strafe einzu-
treten, weil, wenigstens bei den schwereren und gewaltsamen Ver-
brechen, Alle auf gleiche Weise den Landfrieden brachen." Aber
gerade bei den schwereren gewaltsamen Verbrechen kommt die Ge-
folgeschaft und die mit ihr zusammenhängende ungleiche Behandlung
des Anführers und der Folger vor und hier erhielt sich diese, wäh-
rend bei den mit Heimlichkeit verbundenen Missethaten, die beson-
ders verabscheuungswürdig und gefährlich erschienen, wie der Gift-
mord und der Diebstahl, die Abschreckung, welche, um zu wirken,
immer weit greifen muß, zur Gleichstellung der Mitschuldigen führte.
Heinrici III. Imp. const. 1054 (Pertz IV, 42): „Quicunque vene-
ficio seu quolibet modo furtivae mortis aliquem peremerit aut inde
consentiens fuerit, mortis sententiam incurrat“ etc. Rheingauer
Landrecht §, 70 (Grimm, Wsth. I, 543): „Item es ist landrecht,
so wer ein kint entfure — er verluset lip und gud — und wer
daby hulffe ader rpede, der verluse sin lip und sin gud." Goslar
38, 14: „Alle mördere unde de kerken — rovet — oder de se
vörderet to der dat, de scal man radek braken. — Wo ok differ
enen to dissen dinghen vörderet mit rade oder mit hülpe — dat
selve recht scolde over ine gan dat over dene gan scolde de den
bröke dede." Im Sachsenspiegel und im Rechtsbuch nach Dist. ist
dieser Satz noch nicht so allgemeine Regel (G ö sch e n.S. 300. 303).
Die meisten Stellen, an denen jene Gleichstellung ausgespro-
chen ist, beziehen sich auf Diebe, Diebshelfer und Diebshehler
(Sachsensp. II, 13. 8. 6. Prager Stat. 35. Dist. IV, 9, 2. 3.
Brünner Stadtr. 219), also auf dasjenige besonders verächtliche
Verbrechen, das meistens nur von Leuten niedrigen Standes ver-
übt wurde und bei dem, wenn auch mehrere daran Theil nahmen,
doch der Begriff der Gefolgschaft nie in den Quellen hervortritt.
Auch in der alten Zeit, in welcher die Gefolgschaft und die dar-

ii) Handbuch I. S. 222.

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