Full text: Volume (Bd. 18 (1858))

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Osenbrüggen:
tion zurückzuführen seyn; sodann ist aber auch zu beachten, daß
Berner den Begriff des Raches, des „bloßen Raches" so rein
herausschält, wie cs die alte Rechtssprache nicht thut. In der
angeführten Stelle des kulmischen Rechts sagt der, welcher „Dup-
heit retet", zu dem Andern: „Gang hyn und styl deme das — be-
halden" und der Thäter behauptet nachher, jener habe es ihm be-
fohlen und geheißen. Da ist denn freilich kein „bloßer Rath",
aber sprachwidrig würde es auch heute nicht seyn, in einem solchen
Falle zu sagen, jener habe diesem den Diebstahl gerathen. Berner
gibt als Grund, warum der bloße Rach nur als intellektuelle Bei-
hülfe, nicht aber als Mittel der Anstiftung genommen werden könne,
an, daß derjenige, der dem Andren einen bloßen Rath ertheile,
die That nicht als seine eigene auf sich nehmen wolle. Im alt-
deutschen Rechte wurde aber nur gefragt, ob in dem concreten Falle
der Rath als erster Entstehungsgrund oder Ursache der Missethat
anzusehen und diese dadurch hervorgerufen sei.
H esst er hat in seinem Lehrbuch des Strafrechts §. 82 dem
Namen Ursacher als sehr bezeichnend für den Anstifter den Vorzug
gegeben und das badische Str.G.B. §. 119 charakterisier den An-
stifter als denjenigen, „welcher dadurch Ursache des Verbrechens
geworden ist, daß er den Thäter vorsätzlich zu dem Entschlüsse,
dasselbe zu begehen, bestimmt hat." Ursacher kommt nicht nur
P.G.O. Art. 148 vor: „Beiständer, Helfer und Ursacher", son-
dern auch Bamb. 152: „Item so einer — auffrur des gemeynen
volcks machet, und der ein ursacher erfunden wirdt." (Im zweiten
Projekt der P.G.O. Art. 133 steht dafür: „und das also uff ine
erfunden wird": so auch P.G.O. Art. 127.) Ferner Reichsab-
schied von 1555 §. 43: „alle die solcher Vergadderung, Zusammen-
laufen oder Häuffen, auch anderer Werbungen und Bestallungen
der Knecht Anfänger, Ursacher, Aufwickler sind." §. 45: „auch
solche Muthwillige, Ausgetretene zu allerhand Empörungen, Ver-
gadderungen und Aufwiglungen Ursacher sind. Auf Grund dieser
Stellen sagt Luden, Handbuch I. S. 456, der Ausdruck komme
nur bei solchen Delicten vor, die von Mehreren in Masse begangen
worden seien, und solle denjenigen bezeichnen, der die Zusammen-
rottung oder den Auflauf aufgewiegelt oder augefaugen habe. Allein
es findet sich auch Ursacher des Mordes in dem von Halt aus
p. 471 z. A. angegebenen Schöffenspruch: „daß sie des Mordes,

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