Full text: Volume (Bd. 18 (1858))

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Die Theilnahme am Verbrechen.
gehung gewaltthätiger Verbrechen, wie Heimsuchung, Raub, Brand-
stiftung re. in der Regel eine Mehrzahl von Menschen theilnahm,
so daß Einer den Anführer machte, die Uebrigen das seinen Befehlen
gehorchende Gefolge. Wilda hat daher S. 612 ff. die „Gefolg-
schaft" für die ältere Zeit als eine Art der Beihülfe an die Spitze
gestellt und eine besondere Characteristik derselben gegeben und be-
handelt darauf die auderweitige Beihülfe. So gehörte zur Heim-
suchung des germanischen Rechts regelmäßig ein gesammeltes Gefolge
(Wilda S. 952.) und die Heimsuchung wird deßhalb als „reisa“
aufgeführt in der eonst. Henri«; regis 1234 (Pertz IV. 301).
Später konnte die Heimsuchung ein Ueberfatt durch Mehrere sein,
aber das gesammelte Gefolge gehörte nicht mehr zum Begriffe dieser
Missethat 3). Der Name Folger uud Nachfolger erhielt sich aber
für die Gehülfen bei verschiedenen Verbrechen auch in der späteren
Zeit, vgl. Halt aus p. 470 a. E.
Eine Erklärung der Folge gibt uns das Rechtsbuch nach Dist.
IV. 8, 1: „Daz ist unde heyset eyn fulge: wan eyner, czwene, dry,
fir, adder mer lute, mit eyme zculoufen, wen her eynen beschedigen
wel sines libes, unde doch nicht schade gesched, unde er entlouffet rc."
(Göschen, goslar. Stat. S. 303). Daselbst Dist. 5. findet sich
für den Begriff noch die wichtige Notiz: „Tut ein folger schaden,
wen sin frund schaden hat getan, er ist nicht ein folger, er ist ein
sachwalde." Derjenige ist also Miturheber und nicht Folger, der
sich einem Verwandten bei der Begehung eines Verbrechens zuge-
sellt, denn die Folge setzt einen die Folger beherrschenden oder doch
leitenden Führer voraus. In dieser Dist. 5. würde dann eine Ver-
schiedenheit der neuen von der alten Zeit ausgedrückt sein, in wel-
cher letzteren das Gefolge wohl vorzugsweise „aus den Blutsfreunden
und anderen befreundeten Genossen" bestand (Wilda S. 613).
Allein vielleicht ist die Dist. 5. so zu fassen, daß der Grund, warum
in dem hervorgehobenen Falle keine Folge angenommen werden soll,
Ln der zeitlichen Trennung und unvorbereiteten Aufeinanderfolge
der beiden schädigenden Handlungen liegt. A verletzt den B, dar-
auf verletzt A's Freund C den B, ohne daß von vorne herein eine
Verbindung des A und C zum Zwecke der Schädigung bestand, ob-
wohl die Schädigung durch A die nachfolgende Schädigung durch
C veranlaßte.

3) S. meine Schrift über den Hausfrieden S. 69.

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