Full text: Volume (Bd. 18 (1858))

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Zur Lehre von den Kirchenlasten.
seinem Grundbesitze innerhalb der Parochie einen eingerichteten Sitz
seines Hauswesens hält, auch wenn er denselben nur zeitweise be-
nutzen, und entweder einen andern Grundbesitz, oder den durch sein
Amt ihm angewiesenen auswärtigen Wohnort als das Centrum
seiner Geschäfte und Verhältnisse behandeln sollte u). Es leuchtet
ein, daß sich auf diese Weise der Kreis der Vorgänge, aus welchen
man auf Dinglichkeit zurückschließen möchte, z. B. wenn ritterschaft-
liche, auf ihren Gütern nicht regelmäßig wohnende Grundbesitzer
die Lasten mitgetragen haben, erheblich reducirt. Sodann ist zu
erwägen, daß man früher unbedenklich in armen Gemeinden die
Beitragslast auch auf eigentlich Nichtpflichtige auödehnte, die aber
zu der Parochie doch in einer Beziehung der Interessen standen,
wie sie der Grundbesitz entschieden anknüpft. Hier ist dann nicht
die Dinglichkeit, sondern die Dringlichkeit, der Nothfall, der recht-
fertigende Grund für die Heranziehung des Aparochianen 2S). Es
scheint, daß, wenn dieser Satz sich aus der Praris der Kirchenbe-
hörden nicht verloren hätte, vielmehr bei ritterschaftlichen Absentees
wie bei dem Domanium angewendet worden wäre, die praktischen
Interessen, welche sich an die Mitbelaftung grundbesitzender Aparo-
chianen knüpfen mögen, in viel einfacherer und gesünderer Weise
würden befriedigt worden sein und noch werden, als durch die Fest-
stellung eines dinglichen Charakters der Kirchenlasten geschehen kann.
Es ist dieser Punkt aller Erwägung werth, wenn etwa eine Gesetz-
gebung auf Befriedigung jener Interessen durch gesetzliche Aufstel-
lung geeigneter Rechtssätze Bedacht nehmen sollte. — Endlich wird
auch ein Rückschluß von der Belastung der Forensen auf die Ding-
lichkeit der Last dadurch bedenklich, daß die erstere, wenn nur die
belasteten Forensen persönlich ihrem Bekenntnisse nach Kirchen-
glieder sind, recht wohl auch ohne die Supposition des dinglichen
Charakters der Last construirbar bleibt. Entschieden beruht nämlich
die kirchliche Leistungspflichtigkeit eines evangelischen Christen auf seiner
Eigenschaft als Kirchengenosse: die Gemeindeangehörigkeit läßt
sich nicht neben jener als ein weiterer und paritätischer persönlicher
24) Sächsischer Generalartikel von 1555. (Richter II. S. 190.)
"soll von den Cingepfarrten, ob sie schon nicht unter einer, besundern
vielen Herrschaften gesessen, eine gemeine Anlage zu diesem Bau gemacht
werden.« Gleichlautend in der Sächs. K.O. von 1580. art. 32 i. A.
25) Carpzov a. a. 0. II. 22. 349.

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