Full text: Volume (Bd. 18 (1858))

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Zur Lehre von den Kirchenlasten.
Wirkung des Aufgehens in eine wirkliche Einheit, da die Zweiheit
beider trotz aller Verbindungen nicht blos in der Idee, sondern zu-
gleich als ein unverrückbares geltendes Rechtsprinzip festftand.
Für die Ausbildung der Dinglichkeit der Kirchenlasten ist wohl
nicht blos von hier aus das Meiste geschehen, sondern noch jetzt
werden die Dinglichkeitsansichten wenigstens bei der ländlichen Be-
völkerung in confessionell ungemischten Gebieten hier ihre kräftigste
Unterstützung finden. Bilden in den maaßgebenden Vorstellungen
die bürgerlichen und kirchlichen Anstalten ein wesentlich identisches
Ganze, wird die lokale Pflege der geistlichen und irdischen Gesammt-
interessen als Aufgabe des selbigen Kreises gedacht, und die Ge-
meinde, indem sie ihre Wege bessert und ihre Kircke baut, nicht als
eine wesentlich andere Gemeinschaft aufgefaßt, so kann auch eine
Uebertragung der Grundsätze, nach welchen sich die Beitragspflicht
der Einzelnen bestimmt, von der bürgerlichen auf die kirchliche Sphäre
schwerlich ausbleiben. Auch die oft vorhandene Differenz zwischen
den räumlichen Gränzen der Parochie und der bürgerlichen Ge-
meinde stellt dem kein Hinderniß entgegen, da man ohne Wider-
spruch gegen die zu Grunde liegende Vorstellung deikselben lokalen
Kreis in eine Mehrheit von Unterabtheilungen, sowohl für die geist-
lichen als für die weltlichen Zwecke des identischen Ganzen zerlegt
denken kann. Natürlich kann dies nur der herrschenden Kirche be-
gegnen. Wäre im Gefolge der Reformation keine confessiouelle
Erclusivität der Territorien eingetreten, hätten sich — wie nach den
Grundsätzen des heutigen paritätischen Staats — in denselben Kreisen
evangelische und katholische Parochien gleichberechtigt ansiedeln kön-
nen, und wenigstens theilweis auch wirklich angesiedelt, dann würde
das persönliche Glaubensband, welches den fundamentalen Faktor
der kirchlichen Gemeinschaft bildet, auch seinen trennenden und ab-
schließenden Einfluß in die lokalen Kreise hinein erstreckt, und die
Behandlung der kirchlichen Leistungspflicht nach den Grundsätzen
und im Anfänge dieses Jahrhunderts von einem unbestimmt allgemei-
nen Staatsbegriffe auSgieng, welcher alle Beziehungen geistlicher und
leiblicher Wohlfarth umfaßte, und welchem gegenüber auch das katho-
lische Princip innerlich und äußerlich machtlos war. Beispiele eines
solchen dominirenden Einflusses politischer Elemente fehlen freilich auch
aus vorreformatorischer Zeit- nicht, und zeigen sich besonders in einzel-
nen Städteverfaffungen.

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