Full text: Volume (Bd. 18 (1858))

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v. Gohren:
8. 1.
Ursprung und Entwickelung der Auöträge bis zur Er-
richtung des ewigen Landfriedens im Jahr 1495.
Fragen wir zuerst, was das Wort „Austragen" bedeute, so ist
man allgemein darüber einig, daß es dasselbe sagen wolle, wie
„zum Ziele, zum Ende führen," und auf Streitigkeiten angewendet,
„entscheiden," „schlichten." Aus trag ist also die Entscheidung,
Schlichtung einer Streitigkeit, namentlich eines Rechtsstreites, ge-
schehe dies mm in gütlicher Weise („mit Minne") oder nach Rechts-
normen („mit Rechte") *). Ob das Wort Austrag mit Treuga
(wohl — pactio, pax) verwandt sei, wie von Manchem behauptet
wird, möge hier dahingestellt bleiben; eine nothwendige Beziehung
zwischen beiden Worten scheint jedenfalls nicht vorhanden zu seyn.
Der Plural des Wortes, Aus trage, bedeutet sowohl die austrägal-
gerichtliche Instanz selbst, als auch diejenigen, welche in dieser das
Urtheil fallen, die Austragalrichter. Weit abweichender aber, als
über die Bedeutung des Wortes, sind die Ansichten über den Ur-
sprung des ganzen Institutes. Während nämlich Manche *) das-
selbe erst aus den Zeiten Maximilians I. her datiren, nehmen Andere
an, daß dasselbe in den Zeiten des Interregnums entstanden sei *).
Noch Andere endlich sind der Ansicht, daß sich unser Institut im
Keime wenigstens schon in der Zeit der Karolinger vorfinde und
überhaupt mit der alten deutschen Gerichtsverfassung eng verbun-
den sei 1 2 3 4).
Diese letztere Ansicht möchte auch wohl als die richtigste er-
scheinen. Einmal nämlich war eS ja ein Grundzug der ältesten
1) Bergl. Hall au s glossar. gern. raed. aevi s. h. v. — Uffenbach
v. kaiserl. R.Hofrath S. 144. — Pfeffinger, Vitriar. illust. p. 500.
Heffter, Beiträge zum deutsch. Staats- undFürst.R. S. 170. Notes,
v. Leonhardi, das AuSträgal-Berfahren des deutschen Bundes S. 14.
Jordan in Weiske's RechtSlexicon I. Bd. S. 474.
2) Schubart bei Pseffinger I. e. S. 500. und fast ebenso Hell-
feld’s Repertor, jur. priv. S. 373. §. 4.
3) Pfeffinger 1. c. — Malblank, Anleitung zur Kenntniß der deut-
schen Reichs- und Prov.-GerichtS- und Kanzleiverfaffung und Praxis,
1V.TH. S. 422.' — Heffter a.a.O. S. 170. — Jordan a. a. O.
S. 475.
4) Leonhardi a. a. O. S. 17 ff.

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