Full text: Volume (Bd. 18 (1858))

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Abegg:
Einige Fälle von Kirchenraub: „Den 15. Januar 1579
ward ein Bräuermeister am obersten Galgen gehangen, der eine
Zeitlang bei nächtlicher Weile mit einem Dietrich die Häuser auf-
geschlossen, darinne gemauset, was er betroffen, mitgenommen, auch
in beiden Kirchen die Gotteskasten erbrochen und geleert m). Zu-
gleich zur Lehre vom unehrlichen Begräbniß m). „Juli 1593.
Auf dem Begräbnißplatz ward aus dem gemeinen Kasten in der
Kirchen etlich Geld mit besondern Instrumenten ausgehoben und
gestolen. Den Kirchdieb zu erfahren wartete der Glöckner daselbst
in der Dreßkammer auf den Dienst. Den 15. Juli kommt er ge-
schlichen, und als er an den eingeschlagenen hölzernen Nägeln an
der Wattd aufklettern und zum Fenster beim Predigtstuhl einsteigen
will, wird er vom Glöckner gestöret, in der Flucht mit dem Knebel-
spieße an die Waden gestochen und gefället, daß er des andern
Tages stiebet, und vom Henkersgestndlein in die Schindegrube
geführet und begraben wird" 125).
Es mögen nun auch einige Bemerkungen über die allgemeinen
NechtSgrundsatze und das Verfahren Platz finden, welche theils
an die bisher angeführten Fälle126), theils an weiter mitzutheilende
angekltüpft werden sollen.
Von der Häufigkeit der Verbrechen finden wir reichliche Zeug-
nisse, und der Schluß auf dieselbe wird um so sicherer sein, da
nur die schwersten, meist Capitalfälle, erwähnt werden. Das Ver-
fahren ist nicht geschildert, aber das Wenige, was gelegentlich be-
rührt wird, läßt auf große Mangelhaftigkeit schließen. Es wird
im wörtlichsten Verstände „Kurzer Prozeß" gemacht. Unter deir

123) IV. S. 96. vgl. III. S. 69., wo der Thäter, der sich an einem
Strick herablassen wollte, und verunglückte, ehrlich begraben wurde.
124) Vgl. Note 93. und 146.
125) IV. S. 167.
126) Die Fälle erwähnter Verbrechen, wo die Thal nicht zur Strafe ge-
zogen werden konnte, habe ich nicht ausgenommen, obschon darunter
einige nicht ohne Intereffe sind. Manche bekunden deutlich den Sit-
tenzustand; a. a. O. III. S. 157. wird z. B. bemerkt: »Den 7. Nov.
1551 entlief Katharina, die Beutlerin, eine Tändlerin, oder Umträgerin,
so die Leute mehr denn um 9000 Thaler angesetzet und betrogen.
Hat mit dem großen Wucher, den sie betriebe», ihr ein solch Credit
gemacht, daß ihr ein Mann allein 10000 Thaler vertrauet.»

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