Full text: Volume (Bd. 18 (1858))

424 Abegg:
welche nach einander zwei uneheliche Kinder ermordet, war endlich
als sie ihr drittes Kind umgebracht, entdeckt worden. „Darauf, —
heißt eS nach einer ausführlichen Schilderung ihrer Verbrechen, —
die Kindesmörderin gefänglich eingezogen, um ihre Uebelthat ge-
fraget, und wie sie alle drei Morde bekannte, zum Tode verur-
teilet, und den 27. Junio 1551 lebendig begraben ward" **).
Die Worte der peinlichen Gerichtsordnung Art. 131., "wo aber
solche übel oft geschehen, wollen wir die gemelte gewohnheit des
vergrabens und pfelenS, umb mer forcht willen, solcher boshaftigen
Weiber auch zulassen," die man meist von der Ueberhandnahme
des Verbrechens überhaupt versteht, scheinen hier auf die Wieder-
holung durch dieselbe Person bezogen worden zu sein, und es läßt
sich diese Auslegung vertheidigen, bei der sich von selbst versteht,
daß die frühern Begangenschaften, noch nicht zur Kenntniß gekom-
men, oder wenigstens, wenn dieses der Fall gewesen, nicht mit der
gesetzlichen Strafe geahndet worden seien; — eine Ausnahme, die
jedoch wohl kaum anzunehmen ist 83).
Mit Uebergehung der Artikel der peinlichen Gerichtsordnung,
für welche ich kein bemerkenswertes praktisches Beispiel finde,
Verwandtenmords haben belegt werden müssen, wenn man die gemeine
Meinung annimmt. Daß das Kind ihrer Tochter ein uneheliches wär,
ist nicht gesagt, aber wohl eben nach der Strafe anzunehmen. Der
Umstand, daß das Kind ungetanst gewesen, der sonst nicht in Be-
tracht kommt, bestätigt die Annahme der Neugeboreuheit.
82) III. S. 154. IV. S. 58. "Den 27. Martii v. 1574 ward der Bret-
schneiderin — Tochter ertränket, daß fie ein Kind, so mit dem Schrei-
ber gezeugek, umgebracht, und in den Schacht geworfen. Schwamm
unter fleißigem Gebet, lebendig in die sechs Biertelmeil Weges, ehe
fie uuterging."
83) Ob im folgenden Fall, wo eine Schwangere ermordet worden, die
an einer Mitschuldigen vollzogene Strafe des Vergrabens, nach einer,
hier doch nur entfernten Analogie des Kindsmords, bestimmt war,
möchte ich kaum aunehmen, obschon sich sonst kein gesetzlicher Grund
gerade für jene Strafart findet, so daß man nur hier, wie öfters die
große Willkühr, mit welcher verfahren wurde, erkennen kann. "Den
20. Mai 1536 ward der Hirte von Schwoitz gerädert und. sein Weib
(beide fast alt) lebendig begraben, wegen eines Mordes, den sie im
Walde an einem schwängern Weibe begangen." HI. S. 86. vgl.
S. 126. und unten Note.

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