Full text: Volume (Bd. 18 (1858))

Strafrechtspflege im 15. und 16. Aahrh. 409
bei allen Kirchen auf St. Maria-Magdalena Kirchhof, wo die
steinerne Säule gegen den Pfarrhof stehet, begraben lassen, wegen
etlicher beschwerlicher und gefährlicher Artikel und Ursachen, davon
er überzeuget worden; denn er wider seine Eidespflicht zu dem
Rath und der Gemeinde zum Schaden und- Nachtheil gehandelt,
sie wie zuvor also auch künftig in große Ungnade und Noth hätte
bringen sollen, wo sie nicht wären gewarnet worden."
. Ein anderer Fall solcher mit der Todesstrafe geahndeten „Ver-
kundschaftung«, wo sich gleiche Bedenken gegen die Triftigkeit des
Beweises ergeben, wird aus dem Jahre 1540 erzählt: "Die
19. Aprilis, an einem Montag, ward enthauptet, Franz Buch-
licher, war vormals ein tapfer gewaltiger Handelsmann. Wie
er verdorben, begab er sich auf böse Händel, machte seltsame Prack-
ticken und Anschläge, und ließ sich zu einem Kundschafter von
etlichen Räubern gebrauchen, und hielt sich demnach in der Stadt
auf, als wäre ihm nichts darum, bis so lange an andern Orten
etliche Uebelthäter auf ihn bekennet 36), ausgebrochen und Klage
über ihn kommen ist. Vor der Zeit saß er 6'/r Jahr gefangen,
daß er seinen Schwager, Eitel Domnick, ermorden wollen 37).
Etlich mal ward ihm das Grab zubereitet, und kam doch loß,
mußte gleichwohl endlich vom Schwerdt sterben" 38).
Wittib, hat neben andern guten, lobwürdigen Stiftungen bei Kirchen
und Hoöpitalien auch verordnet, daß man im Stadtstock einen Predigt-
stuhl von Werkstücken erbauet, darauf den Gefangenen wöchentlich am
Freitage zu predigen, auch ein gewisse« Geld vermacht ihnen alle
zween Monate ein Bad und Essen anzurichten, überdieß den armen
Sündern, die zum Tode geführet werden, neue Hemden, schwarze
Hüte und Trübe-Mäntel verschaffet. In solchem Habit ward den
18. Julii ein Plattnergeselle auSgeführet."
36) Ob hier, was die peinliche Gerichtsordnung über die, eine Anzeige
bildende Aussage und Bezüchtigung Mitschuldiger verordnete, gehörig
beachtet worden sein mag?
37) Hier ist wohl, wenn man nicht annehmen will, daß eine Strafe
wegen Versuche« statt gefunden und damals schon die Freiheitsstrafe
regelmäßig bestanden, die Bestimmung der peinlichen Gerichtsordnung
Art. 176. zur Anwendung gekommen. Vgl. S. 188. III. S. 126.
136. 141. 167. IV. S. 3. 61. 105. 121. 125., wo allerdings der
Gefängnißstrafe gedacht wird.
38) A. a. O. III. S. 111.

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