Full text: Volume (Bd. 18 (1858))

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entstanden, und welche daher schließlich ersatzpflichtig ist, „diejenige
Postanstalt, welche die Sendung von der vorhergehenden Postan-
ftalt unbeanstandet übernommen" hat, angesehen werden soll, in
der Eröffnung des fraglichen Geldbunds ohne Beobachtung der
vorgeschriebenen vorherigen Procedur aber eine solche unbean-
standete Uebernähme gefunden werden müsse, mithin lediglich
das instructionswidrige Verhalten des Beklagten die Klägerin in
diesen Schaden gebracht habe, so sei er deshalb zum Ersatz dieses
Schadens verpflichtet.
„Das Gericht erster Instanz hat den Ausdruck.„unbeanstandet
übernommen" in dem Sinne ausgelegt, welchen diese Worte in der
grammatischen Bedeutung und rs8p. im gewöhnlichen bürgerlichen
Leben haben; es hat, da die Uebernahme des Geldbunds durch
den Beklagten zweifelsohne durch dessen Eröffnung geschehen war,
die Beanstandung in der nachherigen Entdeckung und Anzeige des
Manco durch Beklagten gefunden. Allein dies ist nicht richtig. Bei
dem hier zu beurtheilenden Geschäftsverhältniß zwischen der absen-
denden und anuehmenden Poftanstalt ist nämlich eine Beanstandung
der Sendung nur durch eine von der ersteren an die letztere zu
richtende Reclamation möglich, welche nothwendig erst nach Ankunft
und Untersuchung der Sendung erfolgen-^kann; ob aber die Bean-
standung vor Eröffnung des die Sendung enthaltenden Umschlags,
oder auch noch nach derselben geschehen kann und muß, läßt sich
aus dem gewöhnlichen Sinne des Ausdrucks Beanstandung
nicht entnehmen. Vielmehr beruht die Entscheidung dieses Zweifels
lediglich auf der geschäftsmäßigen Organisation der Postverwaltrmg
und auf der Einrichtung des Verkehrs zwischen den verschiedenen
Poftanftalten; es ist der Ausdruck Beanstandung nur in dem
technischen Sinne aufzufassen, welcher ihm in den postalischen Ver-
hältnissen beigelegt wird, und es kann daher die Interpretation
nicht durch den dieser Verhältnisse unkundigen Richter nach dem
Sprachgebrauche des gemeinen Lebens geschehen.
„In der vorliegenden Sache sind nun beide Parteien über den
technisch-postalischen Begriff der unbeanstandeten Uebernahme im
Streit, und es kann folglich, wenn die Auslegung der Klägerin
die richtige sein sollte, die Klage nur für begründet erachtet wer-
den. Dies ist jedoch zur Zeit nicht entschieden; es kann sich eine
Beweisführung möglicher Weise als nöthig darstellen."

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