Full text: Volume (Bd. 18 (1858))

370

Kompe:
— daß der Postanstalt gegenüber die Sendung nicht nach ihren
einzelnen Bestandtheilen, sondern nur als ein ungetheiltes Ganzes
in Betracht komme, und daß deshalb in Fällen der fraglichen Art
das Gesammtgewicht der Sendung als ungetheiltes Gan-
zes, nicht aber das Gewicht des beschädigten einzelnen Theils der
Sendung entscheide — als ungegründet dar. Sieht man aber
auch hiervon ab, und will man selbst jenen Einwand an sich zu-
geben, so kann doch die demselben zu Grunde liegende Anschauung
jedenfalls nur so lange für richtig angesehen werden, als die
Sendung in der That ein verschlossenes ungetheiltes Ganzes ist.
Wenn sie aber in ihre einzelnen Bestandtheile auseinander fällt —
was ja nach Art. 62. behufs Ermittelung des wirklich einge-
tretenen Schadens nöthig wird, — wenn in Folge der stattgefun-
denen Beschädigung die Sendung geöffnet und nach ihren einzelnen
Theilen untersucht wird, wenn die unbeschädigten Gegenstände von
den beschädigten behufs Abschätzung der letzteren abgesondert wer-
den, alsdann fehlt es jener durch technisch-postalische Verhältnisse
bedingten und hervorgerufenen Fiction an ihrer wesentlichen Vor-
aussetzung und Grundlage, und es muß nun an die Stelle der
Fiction die nicht ferner zu übersehende Thatsache treten, daß der
Inhalt der Sendung allerdings aus mehreren besonderen Gegen-
ständen zusammen gesetzt war, daß diese letzteren durch das Ver-
schließen in ein Packet ihre Natur als selbstständige, für sich be-
stehende Sachen nicht verloren haben.
- Die hier vertheidigte Ansicht scheint auch dem königlich preußi-
schen Gesetze über das Postwesen vom 5. Juni 1852 zu Grunde
zu liegen m), insofern dasselbe im §. 13. vorschreibt: „bei bloßen

132) Dessäry a. a. O. §. 184. bezüglich des österreichischen Rechts:
"Bei Abgang (Verminderung des Inhalts der Sendung in der Quan-
tität) ersetzt die Postanstalt bei Waaren, Prätiosen und sonstigen
Gegenständen, wofern die Sendung durchaus gleichartigen Inhalts ist,
den von dem angegebenen Gesammtwerthe — an besten Stelle tritt
in Ermangelung einer Declaration der Betrag von zehn Gulden,
§. 176. — auf den Abgang nach dem Gewichte entfallenden
Theilbetrag." — Bei ungleichartigen Gegenständen wird der Unter-
schied zwischen dem declarirten Werthe (oder dem Werthe von zehn
Gulden) und dem durch Schätzung erhobenen Werthe des noch vor-
handenen Inhalts der Sendung vergütet. §. 187. "Bei mindern

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