Full text: Volume (Bd. 18 (1858))

Posttransport. Vertrag. 363
sich der Ersatzanspruch, beziehungsweise die Ersatzverbindlichkeit
auch nur auf diesen Betrag.
Dagegen kann es zweifelhaft erscheinen, wie die Entschädigung
zu berechnen sei, wenn die Sendung aus mehreren gleichartigen
Gegenständen besteht und nur ein Th eil der Sendung beschädigt
wurde, indem alsdann die Frage sich erhebt, ob in einem solchen
Falle das Gesammtgewicht der Sendung oder nur das Gewicht
des beschädigten Theils der Sendung der Berechnung zum Grunde
zu legen sei, mit andern Worten, ob die Entschädigung nach der
Gesammt-Pfundzahl oder nach der Zahl der beschädigten Pfunde
zu leisten sei. Diese Frage ist im Postvereins-Vertrage nicht aus-
drücklich entschieden; es werden daher die sich darbietenden Inter-
pretationsmittel zur Hilfe genommen werden müssen.
Der Art. 62. geht bei Beschädigung undeclarirter Sendungen
davon aus, daß nur der wirklich erlittene Schaden in Betracht
komme und innerhalb der mehrerwähnten Grenze in Anspruch ge-
nommen werden könne. Es entspricht diese Vorschrift, abgesehen
von der, in Ansehung der vorliegenden Frage nicht erheblichen
Grenze hinsichtlich des zu leistenden Entschädigungsbetrags, den
allgemeinen Grundsätzen 125), wonach in der Regel nur der wirk-
liche Schaden zu ersetzen ist. Mithin wird es auch bei der vor-
liegenden Frage zunächst und zumeist auf denjenigen Gegenstand
und gerade nur auf den ankommen, welcher in der That beschädigt
worden ist, wogegen alle übrigen Gegenstände der Sendung, welche
eine Beschädigung überhaupt nicht erlitten haben, ausgeschieden
werden und außer Betracht bleiben müssen.
Die Postanftalt erscheint vertragsmäßig im Allgemeinen ver-
pflichtet, die angenommene Sendung in dem Zustande abzuliefern,
in welchem sie ihr überliefert wurde. Ist zugleich eine bestimmte
Summe (entweder der declarirte Werth oder '10 Sgr. pro Pfund)
für den Fall zu leisten verabredet worden, daß Seitens der Post-
anstalt der Vertrag gar nicht erfüllt werde (Nichtablieferung der
Sendung an den Adressaten wegen Verlustes derselben), so besteht

125) Fr. 33. pr. ad leg. Aquil. (9. 2.): »in lege enim Aquilia damnum
consequimur et amisisse dicimur, quod aut consequi pdtuimus, aut
erogare cogimur.« v. Wening-Jngenheim, Lehrbuch des gemei-
nen Eivilrechts, Bd. 2. §. 193. v. Bangerow a. a. 0. Iit. S. 43.

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