Full text: Volume (Bd. 18 (1858))

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Kompe:

wenn ich eine mir von dir geliehene Sache verloren, und für die-
selbe dir deren Werth geleistet habe, nachher aber diese Sache in
deine Gewalt gekommen ist, so mußt du auf die Gegenklage ent-
weder die Sache mir abtreten, oder das zurückgeben, was du von
mir erhalten hast.
Aus der analogen Anwendung dieses Rechtssatzes auf unsere
Frage folgt, daß der entschädigte Absender verpflichtet beziehungs-
weise befugt ist, entweder die empfangene Entschädigung oder die
Sendung, welche verloren war, herauszugeben. Und in der That
erscheint für den Absender die ihm freigestellte Wahl von großem
Interesse, indem es ihm nicht in jedem Falle einerlei sein wird, ob
er die verlorene Sache erst jetzt in Natur zurück bekommt, oder
gleich damals mittelst der erhaltenen Entschädigung im Stande war,
sich an die Stelle der verlornen Sache eine entsprechende andere
anzuschassen. Hat er z. B. letzteres gethan, so würbe er, falls
er die Geldentschädigung unbedingt herausgeben müßte, nun zwei
Gegenstände derselben Art besitzen, während es sehr wohl der Fall
sein kann, daß das Bedürfniß nur für einen dieser Gegenstände
besteht, oder daß für ihn jetzt gar kein Bedürfniß nach einem
solchen Gegenstand eristirt. Er hat also mit Recht nur dasjenige
herauszugeben, was vom subjektiven Standpunkte seines Ver-
mögens als eine Bereicherung sich darstetlt.
Nach lr. 25. §. 8- locati conducti (21. 2 ) soll, wenn ein
Kleiderwäscher oder Schneider, der Kleidungsstücke verloren und
deshalb den Eigenthümer entschädigt hat, letzterer dem ersteren die
Eigeuthumsklage und Condictio« abtreten. Ist nun die Postanstalt
in Folge der ihr abgetretenen Klage, oder sonst auf irgend eine
andere Weise in den Besitz der fraglichen Sendung, welche in
Verlust gerathen war, wieder gekommen, so erscheint der Absender
verpflichtet, der Postverwaltung das Eigenthum dieser Sendung
abzutreten, falls er die Zurücknahme derselben gegen Herauszah-
lung der ihm gewährten Entschädigung ablehnt.
Endlich ist im kr. 60. §. 2. h. t. (21. 2.) der Fall behandelt,
wo der dritte Inhaber der gestohlenen Kleider bekannt wird, noch
ehe die Entschädigung geleistet wurde, und der Eigenthümer die
verlorenen Kleider nicht vom Besitzer zurückfordern will, vielmehr
aus dem Verdingungs-Verträge gegen den Kleiderwäscher klagt.
Hier soll es vom Ermessen des Richters abhängen, ob jener nicht

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