Full text: Volume (Bd. 18 (1858))

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K o m p e:
des römischen Rechts nicht an. In dieser Beziehung weisen die
„Blatter für Rechtspflege in Thüringen und Anhalt" von R.
Schmid, Band 1. Nr. 6. S. 202. nach, daß und welche Be-
hörden der sächsischen Lande B ertrage zu Gunsten dritter für wirk-
sam ansehen, während im 2. Bande Nr. 3. S. 78. ein Erkenntniß
des Appellationsgerichts zu Eisenach mitgetheilt wird, welches, aus-
spricht, es sei der Satz des römischen Rechts, daß in der Regel
Niemand aus den Verträgen dritter» ein Recht erwerbe, durch
deutsche Rechtsansichten, durch die Praris n i ch t geändert wor-
den fei.
Gegen Dr. Höpfner verneint Dr. Karstens (ipr genannten
Archiv, Band 37. Heft 2. S. 199 f.) die aufgeworfene Frage,
davon ausgehend, daß dieselbe nicht vom Standpunkte des römi-
schen Rechts, sondern nach den deutschen Postgesetzen, oder nach
der deutschen Praris (nach dem „Privatpostrecht") zu beurtheilen sei.
Von jeher habe bei allen Postanstalten Deutschlands der Gebrauch
bestanden, Adressaten, welche Reclamationen wegen verlorener oder
beschädigter Sendungen erhoben, dahin zu bescheiden, daß der
Absender bei dem Postamte der Aufgabe seine Reclamation vor-
zubringen habe; von den Gerichten sei ebenso entschieden worden;
in Ermangelung bestimmter gesetzlicher Vorschriften habe die Ge-
wohnheit als etwas allgemein bekanntes die Grundlage dieses Ver-
fahrens abgegeben. Diese Entscheidung entspreche auch dem ge-
meinen und römischen Rechte: das zwischen der Post und dem
Absender begründete Rechtsverhältniß sei ein Mandatsverhältniß **),

92) Gegen die Theorie von der locatio und conductio operis wendet
Dr. Karstens hauptsächlich ein, daß bei dieser Obligationsart nach
dem römischen Rechte das pretium und dessen Bestimmung immer
als Essentiale hervortrete, während bei den Dienstleistungen der Post--
anstalt das zu entrichtende Porto als pretium einer Dienstmiethe in
keinem Verhältnisse zu der in Anspruch genommenen Dienstleistung
stehe. Auch erschienen die Dienstleistungen der Post (als Staatsanstalt)
im Sinne de- römischen Rechts nicht als operae illiberales, bei denen
von merces die Rede sein könne; vgl. dagegen oben §. 4. Gegen
die Auffassung des Rechtsverhältnisses als Mandat sprechen Begriff
und Erfordernisse, wie solche in den Quellen festgesetzt sind: kr. 1.
§. 4. mand. (17. 1.) »mandatura nisi gratuitum nullum est, nam
originem ex officio atque amicitia trahit; contrarium ergo eat officio

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