Full text: Volume (Bd. 18 (1858))

Wandelbarkeit des ehelichen Güterrechts. 259
Die verschiedenen Güterrechte lassen sich in folgender Reihen-
folge aufführen:
1. Für die Angehörigen der Universität Kiel, für Alle,
welche dem akademischen Gerichte unterworfen sind, gilt das rö-
mische Recht. Indessen leiden die Bestimmungen des römischen
Rechts eine Beschränkung durch die herkömmliche Geltung der
Grundsätze von dem ungezweieten Gute und der Ehevogtei; also
daß der Ehemann die Verwaltung und den Nießbrauch sämmt-
licher von der Frau eingebrachter Güter hat, und daß alle Güter
der Frau ohne Unterschied als Dos angesehen werden, auf welche
das römische Dotalrecht Anwendung findet.
2. Für die schleswig-holsteinische Ritterschaft hat
sich auf Grundlage des Sachsenrechts, namentlich der sächsischen
Gerade, unter Einwirkung besonderer territorialer Gebräuche und
in Verbindung mit den Dotalprivilegien des römischen Rechts ein
eigenthümliches Güterrecht (ohne Gütergemeinschaft) ausgebildet,
welches auf Verlangen der Ritterschaft im Jahre 1573 von der
Landesherrschaft mittelst der Constitution „von der Haubenbands-
gerechtigkeit" bestätigt und näher festgestellt worden ist.
3. In dem größeren Theile des Herzogthums Holstein,
nämlich in allen Landdi st rieten mit Ausnahme der später
einzeln hervorzuhebenden, gilt sächsisches Güterrecht. Es hat
jedoch hier das alte Güterrecht des Sachsenspiegels durch Ein-
wirkung des römischen Rechts und durch eine Verordnung vom
15. Juni 1742 erhebliche Abänderungen erlitten. Das Verhältniß
während der Ehe ist im Wesentlichen dasselbe, wie nach dem
Sachsenspiegel. Nach dem Tode des Mannes nimmt die Frau
ihr Eingebrachtes, und erhält außerdem, wenn der Mann Leibes-
erben hinterläßt, den vierten, sonst den dritten Theil seiner dem
„juri Saxonieo“ unterworfenen Güter, wogegen sie keinen Anspruch
auf Gerade und Mußtheil hat. Der Mann ist Mobiliarerbe seiner
Frau, und bekommt außerdem von ihren ausstehenden Forderungen
und dem juri Saxonieo unterworfenen unbeweglichen Gütern den
vierten Theil. — In einigen Gegenden erhält der Ehegatte, wel-
cher sich in einen Bauerhof eingeheirathet hat, bei dem Dasein
von Kindern nach Gewohnheitsrecht statt der statutarischen Portion
einen Altentheil in dem Hofe. — Dieses Güterrecht gilt zugleich
in dem ganzen Herzogthum Holstein, mit alleiniger Ausnahme des
Heitschr. f. deutsch. Recht. 18. Bd. 2. H. 19

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