Full text: Volume (Bd. 18 (1858))

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Ha eberlin:
zu erhalten, wird Haus und Hof verkauft! Zu wessen Nachtheil
kann das anders gereichen, wer anders kann davon getroffen wer-
den, als der säumige Zinsmann? Wer anders kann gestraft
werden, als der Schuldige?
Ja eine andere Stelle aus derselben Lauffener Oeffnung
ist fast noch deutlicher: „Wer ouch, das dahein hüber oder schü-
posser sinen zins gentzlich versäss drei jar daz er nichts ‘daran
geh, so wer daz güt zinsvellig und möcht es dann ain
bischoff lieben under den genossen wem er weit.“ Die
gesperrten Worte heißen: so ist das Gut verfallen, d. h. so verliert
der Zinsmann sein Gut und kann der Bischof es unter den
Genossen verleihen, wem ei' will. Es ist also auch hier nur
von der Strafe des säumigen Zinsmanns die Rede. Wenn der
Nachfolger im Besitz, derjenige, welchem der Bischof das Gut nun-
mehr verleiht, für den rückständigen Zins haften sollte, dann hätte
dies unbedingt gesagt werden müssen, es heißt aber nur: der Bischof
kann es verleihen, wem er will; von einem Uebergange des rück-
ständigen Zinses auf den neuen Erwerber des Guts ist keine Rede
und kann keine Rede seyn. Der säumige Zinsmann wird für seine
Nachlässigkeit durch Verlust des Guts gestraft, das Gut selbst ist
zinsfällig, d. h. das Gut selbst verfällt, wird eingezogen, wenn in
drei Jahren kein Zins gezahlt wird; damit ist diese Sache abge-
macht, der säumige Zinsmann für seine Nachlässigkeit gestraft; mit
der Wiederverleihung beginnt ein ganz neues RechtSverhältniß zwi-
schen dem neuen Zinsmann und dem Bischof, in welches die durch
die Einziehung des Guts getilgten Rückstände nicht
mit übergehen können.
Für die Auffassung des Rutscherzinses als Strafe möge noch
eine Urkunde aus Meichelbeck^) aus dem Jahre 1265 angeführt
werden: Nos Chunradus D. gr. Fr. ep. notum esse volumus —,
quod 'cum homines constituti in praediis nostris R. et M. a Leu-
poldo de Sachsengange fidele nostro insulam — Chleinwerde,
quam etiam idem Leupoldus a nobis in feodo tenuit, in suos com-
munes usus perpetuos comparassent, sub pensione tamen unius
librae, ipsi Leupoldo et suis heredibus annuatim in
festo 8. Georii persolvenda, adjecta poena dupli, si

41) M eichelb eck II, 2. Nr. 76.

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