Full text: Volume (Bd. 18 (1858))

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Ueber die rechtliche Natur der Reallasten.
Diese Maßregeln sind zunächst die Zins büße, die für jeden Tag,
den der Zins zu spat abgeliefert wird, gezahlt werden muß; dann
das Pfändungsrecht des Zinsherrn, und als letztes Mittel, gericht-
licher Verkauf oder Adjudication des Guts an den Zinsherrn, wenn
der Zinspflichtige ihm nicht in anderer Weise gerecht werden kann.
Der Zinspflichtige verliert also zur Strafe für seine Saum-
seligkeit in der Entrichtung des Zinses, für seine Nora,
schließlich das Gut selbst. Daß aber das Gut schließlich selbst in
Anspruch genommen werden kann, das ist wieder eine Folge des
dinglichen Charakters der Reallast, eine Folge davon, daß die
Reallast auf dem Gute selbst haftet, so daß dieses daher
auch, wenn sie in keiner andern Weise entrichtet werden kann, dem
Reallastberechtigten mit seiner Substanz haftet. Es kann aber diese
Haftung des Grundstücks mit Duncker nicht als ein Beweis da-
für angeführt werden, daß auch die rückständigen Leistungen ding-
licher Natur seien und von jedem Besitzer des Guts gefordert werden
können, da in allen Stellen ganz entschieden, wie oben bereits be-
merkt, der säumige Zinszahler noch als im Besitze des Guts be-
findlich vorausgesetzt wird.
Aus den einzelnen Stellen wird dies noch deutlicher erhellen.
Zuerst möge die Stelle aus dem Schwabenspiegel Kap. 69 folgen:
8 wer zin8 von guote geben sol, der sol in geben uf den tac, der
im bescheiden wirt so man im das guot lihet. Diese Worte sind
zunächst ein sprechender Beweis für die oben entwickelte deutschrecht-
liche dingliche Natur der Reallasten: es liegt in denselben ganz ent-
schieden, daß der Zins als auf dem Gute ruhend, als mit ihm
untrennbar verbunden gedacht wird, und daß die Pflicht zur Zahlung
des Zinses ganz von selbst mit dem Besitzerwerb des Guts auf den
Besitzer übergeht, da es in dieser Beziehung nur ganz einfach
heißt: bei der Verleihung wird dem Erwerber des Guts nur ganz
einfach der Tag bezeichnet, an welchem er den auf dem Gute haf-
tenden Zins zahlen soll. Es steht Alles, Zins und Zahlung, schon
vor der Verleihung des Guts längst fest; bei derselben wird nur
gesagt: so und so viel Zins haftet auf dem Gut, und an dem und
dem Tage ist er fällig. Darin ist hinlänglich die enge Verbindung
des Zinses mit dem Gut ausgesprochen, hinlänglich die Meinung
widerlegt, als beruhe er auf einer Obligation, auf einer persönlichen
Verpflichtung des Besitzers. „linde git er, heißt es dann weiter
Zeitschr. f. deutsch. Recht. iS. Bd. 2. H. 12

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