Full text: Volume (Bd. 18 (1858))

'lieber die rechtliche Natur der Reallasten. 159
oder Freigütern ein Zins auf Grund der Schutz- oder Gerichts-
herrlichkeit gefordert wurde, wahrend die Kirche allgemein den Zehn-
ten in Anspruch nahm. Endlich reden auch die oben zahlreich mit-
getheilten Urkunden zum großen Theil von den auf leihweis be-
sessenen Gütern und Höfen ruhenden Reallasten, indem darin die
der Kirche geschenkten Güter, Höfe und einzelnen Grundstücke auf-
gezählt, zugleich aber auch die darauf ruhenden Lasten, zu welchen
die Besitzer verpflichtet sind, genau angegeben werden. Diese Lei-
stungen sind häufig der einzige reelle Vortheil, den die Kirche von
solchen Schenkungen hat. Ja häufig werden die Besitzer der ver-
schenkten oder verkauften Höfe genannt, die auch nach der Veräuße-
rung darauf sitzen bleiben, und den auf den Gütern haftenden Zins
nach wie vor zu entrichten haben, ein hinlänglicher Beweis, daß
der Veräußerer an denselben nur das Eigenthum, aber nicht den
Besitz hat, daß die von ihm veräußerten Güter vielmehr von ihm
an Andere zu Besitz und Benutzung, zu Nutz und Gewere verliehen
sind, daß mithin in solchen Urkunden von den.auf leihweise, je-
doch erblich besessenen Gütern und Höfen ruhenden Zinsen, Zehnten
und Diensten die Rede ist, und daß, da in der Ausdrucksweise, in der
Bezeichnung dieser Lasten durchaus kein Unterschied gemacht wird,
einerlei ob sie auf eigenen oder leihweise besessenen Gütern ruhen,
entschieden auch die letzteren als den ersteren gleich, d. h. als Real-
lasten angesehen werden müssen.
So glaube ich den Beweis genügend geführt zu haben, daß
hinsichtlich der Natur der Reallasten als dinglichen Lasten kein
Unterschied Statt finde zwischen den auf eigenen und den auf
leihweise, jedoch erblich besessenen Gütern ruhenden Lasten, daß
insbesondere die letzteren keine Obligationen sind.
§. 2. Die einzelnen Leistungen.
Bisher war immer nur von der Reallast als Ganzem die Rede
und wurde diese als eine auf dem Grundstück haftende Last,
und folgeweise das ihr gegenüberstehende Recht, für welches be-
kanntlich auch der Ausdruck Real last gebräuchlich ist, als ein
dingliches Recht im deutschrechtlichen Sinne, d. h. als ein eine
Verpflichtung des Besitzers zu gewissen Leistungen enthaltendes Recht
an dem Grundstücke bezeichnet. Dagegen geschah der einzelnen
Leistungen bisher noch keine Erwähnung; da aber bekanntlich

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer