Full text: Volume (Bd. 18 (1858))

Heber die rechtliche Natur der Reallasten. 149
rechtigten dulden muß, daß er Etwas nicht thun darf, was er ohne
das Recht des Servitutberechtigten thun dürfte, daß also der Ser-
vitutberechtigte ohne alle Mitwirkung von des Andern
Seite seine Servitut ausüben kann. Ferner gehen die römisch-
dinglichen Rechte unmittelbar gegen die Sache: der Pfand-
gläubiger nimmt die Sache selbst in Anspruch, um wegen seiner
Forderung befriedigt zu werden; der Servitutberechtigte geht oder
fährt über das fremde Grundstück, er treibt sein Vieh
auf dasselbe, er leitet seine Dachtraufe auf des Nachbars
Grundstück; der Usufructuarius, der Emphyteuta gebraucht und be-
nützt die fremde Sache selbst und unmittelbar, er besitzt sie, er zieht
die Früchte aus derselben, wie der Eigenthümer, u. s. w.
Die deutschen Reallasten geben dem Berechtigten ein solches
unmittelbares Recht an der Sache oder gegen die Sache nicht.
Wenn auch der Zehntherr den Zehnten vom Zehntacker, der Zins-
herr den Zins von dem Zinspflichtigen selbst holen muß, so liegt
doch einestheils in diesem Selbstholen nicht das Wesen des Zehnten
und Zinses, da der Zins sehr oft, der Zehnten wenigstens mitunter
auch gebracht werden muß, anderntheils aber geht selbst das
Holen nicht unmittelbar gegen das Grundstück, worauf die Zehnt-
oder Zinslast ruht, sondern eben nur aus den Zehnten oder Zins,
und ebenso kann ferner der Zehnt- und Zinsherr sein Recht nicht
durchaus selbstständig und unabhängig von der Person des Besitzers
des belasteten Grundstücks ausüben, da er unbedingt der Mitwirkung
desselben bedarf, dieser also jedenfalls zu einer Handlung oder Leistung
verpflichtet ist. Der Zehntpflichtige muß das Korn mähen und
aufbinden, juristisch ausgedrückt, er muß die Separation der Früchte
vornehmen, und überdieß dem Zehntherrn die Anzeige von der statt-
gehabten Separation machen, um ihn dadurch in den Stand zu
setzen, sein Recht auszuüben; der Zinspflichtige muß, selbst
wenn der Zinsherr den Zins zu holen hat, ihm denselben doch
geben, oder wenigstens anweisen. Selbst da, wo ein Naturalzins
vorkommt, wo z. B. gewisse Holzdeputate als Reallaften bestehen, und
der Berechtigte das Holz nicht nur selbst holen, sondern auch selbst
hauen muß, ist er dennoch an die Mitwirkung des Waldeigenthü-
mers gebunden, indem dieser ihn an zu weisen hat, wo er sein
Deputat, seinen Holzzins hauen kann. Daß endlich auf die Frohn-
den oder Dienste, welche allerdings Renaud gegen die gemeine
U *

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