Full text: Volume (Bd. 18 (1858))

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Ha eberlin:
So haben wir einen deutschrechtlichen Begriff der Dinglichkeit
gefunden, der allerdings von dem römischrechtlichen verschieden, der
namentlich weiter oder umfassender ist, als dieser, da er nicht nur
solche Lasten umfaßt, welche in der Art auf einer Sache ruhen,
daß die denselben entsprechenden Rechte direct und unmittelbar ge-
gen die Sache selbst ausgeübt werden können, sondern auch solche,
welche nur in der Weise auf der Sache ruhen, daß dadurch, d. h.
durch die Last jeder Besitzer der Sache zu bestimmten Leistungen
oder Handlungen verpflichtet wirb, und welche die Sache selbst erst
dann angreisen, wenn der Besitzer seine Verpflichtungen nicht mehr
erfüllen kann.
Den Begriff einer deutschrechtlichen, von der römischen ver-
schiedenen Dinglichkeit haben neuerdings auch Gen gl er") und
Schenck") ausgestellt, obgleich sie ihn nicht so präciö formulin
haben als hier geschehen ist.
An diesem deutschrechtlichen Begriff der Dinglichkeit' müssen wir
bei Beantwortung der Frage über die rechtliche Natur der Real-
lasten entschieden sesthallen, wahrend wir den römischen aus der Un-
tersuchung durchaus verbannen müssen; schon Schenck bemerkt ganz
richtig, baß die Quelle alles Streits über unsere vorliegende Frage
in der Vermengung, resp. Jdentificirung römischrechtlicher und deutsch-
rechtlicher Dinglichkeit zu suchen sei.
Wenn wir nun naher auf die Frage über die rechtliche Natur
der Reallasten eingehen, so müssen wir zunächst versuchen, die herr-
schenden Ansichten, so weit sie unrichtig sind, zu widerlegen.
Die eine Hauplansicht erklärt die Reallasten für dingliche
Lasten, resp. Rechte im gewöhnlichen, b. h. im römischrechtlichen
Sinne. Diese Ansicht ist unrichtig; der Charakter der römischrechtli-
chen Dinglichkeit ist, daß der Berechtigte mit ober an der Sache,
woran ihm das Recht zusteht, selbst und unmittelbar, b. h.
ohne Vermittlung eines Dritten Etwas vornehmen kann; so kann
der Eigerlthümer mit seiner Sache thun und machen, was er will,
vorausgesetzt, daß er dadurch nicht Rechte Dritter verletzt; so be-
steht ferner das Wesen der Servituten ja gerade darin, daß der
Eigenthümer der belasteten Sache die Handlung des Servitulbe-

32) (Sengtet a. a. O. S. 296.
33) Scheull a. a. O. S. 306 ff.

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