Full text: Volume (Bd. 18 (1858))

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lieber die rechtliche Natur der Neallasten.
zinset" nicht ein bildlicher Ausdruck, dessen sich der Jurist eigentlich
enthalten sollte, sondern gerade diese sind die Ausdrücke, welche die
juristische Bedeutung des Verhältnisses am wahrsten bezeichnen."
An die Gewere knüpft auch Ren aud die Reallasten, indem
er sie als auf einer Theilung der Gewere beruhende Beschränkun-
gen des Grundeigenthums betrachtet und in folgender Weise seine
Ansicht zu begründen versucht 5): „das altgermanische Sachenrecht
beruht, wie bekannt, auf der Grundlage der Gewere. Die Gewere
(saisina) aber umfaßte nicht blos ein abgegrenztes und umschlossenes
Stück des Erdbodens (clausura), sondern auch alle Fahrniß, die
auf demselben sich befand. Diese wurde als Accessorium des Grund-
stücks betrachtet, auf welchem sie lag. Die Gewere, oder der recht-
liche geschützte Besitz an einem Gute hatte somit einen reicheren
Gehalt als das römische dominium, indem sie nicht blos einen In-
begriff rechtlicher Befugnisse auf das Grundstück selbst ertheilte, son-
dern auch eine ausschließliche Befähigung über alle Fahrniß, die
innerhalb der elatura zu stehen kam: den namhaftesten Theil die-
ser Fahrhabe bildeten aber die Früchte und das Vieh, die auf dem
Gute gezogen wurden; — der jedesmalige periodische Frucht- und
Viehertrag wurde ein Accessorium des fruchttragenden Grundstücks,
so daß die Gewere an diesem auch die an jenem umfaßte. Wie nun
bei der allmälig eintretenden Theilbarkeit der Gewere eine Spaltung
des Eigenthums an Grund und Boden nach den verschiedenen Be-
standtheilen jenes zulässig, wie es möglich geworden war, daß das
Obereigenthum in einer Hand, das Nutzeigenthum in einer andern
Hand sich befand, wie auch Jemand das volle Eigenthum an einer
Liegenschaft, eine andere Person aber eine Gewere zu erblicher Be-
nützung deffelben Guts haben konnte, so mußte es auch geschehen
können, daß man von der Gewere am Gute diejenige an dem In-
halte desselben trennte, — ja daß man auch eine besondere Gewere
an einem Theile (einem streu Theile, oder einer Quote) des Frucht-
und Viehertrages annahm. Wie diese Grundstücke zur erblichen Be-
nutzung (sei es zu Nutzeigenthum oder zu erblichem Colonat) auf-
gelassen wurden, behielt sich der Verleiher neben dem Ober- oder
vollen Eigenthum auch eine Gewere an einem Theile der Guts-
accessorien, d. h. des Frucht- und Viehertrages desselben, vor, oder

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b) Renan d a. a. O. S. 23 ff.

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