Full text: Volume (Bd. 18 (1858))

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Warnkönig:
1) die eheherrliche Gewalt, wornach der Mann die Frau
in allen Rechtsangelegenheiten zu vertreten, und regelmäßig die aus-
schließliche Verwaltung und Nutznießung ihres ganzen Vermögens
anzusprechen hat. Aus dem Mundium hervorgegangen hat sie ihren
ursprünglichen Charakter, der dem Wesen der christlichen Ehe so
ganz entspricht, so viel wie gar nicht geändert. Dieß anerkennen
nicht blos Zöpfl (a. a. O. S. 121), Laboulaye (Condition
des femmes p. 143), Köni gswarter (Revue Wolowsky
XVII. 406), sondern auch Laferri öre (Revue Foelix de 1847.
p. 857 ff.) und Benech (Revue Wolowsky <je 1853. I. p. 22).
2) Nicht minder wird von allen zugegeben, daß die elter-
liche Gewalt, welche mit der Volljährigkeit der Kinder aufhört,
und den Eltern nur die Nutznießung des Vermögens der Kinder
bis zum 18. Jahre überträgt, vorzugsweise aus dem Mundium
hervorgegangen ist, und nichts mit der römischen patria potestas
gemein hat; daher das Sprüchwort der Coutumes: „puissance pa-
ternelle n’a lieu“, was aber nur heißt, daß die patria potestas
des römischen Rechts dort nicht recipirt sei **).
3) Zugegeben wird auch, daß die neuere französische Vormund-
schaft, welche keinen Unterschied zwischen Unmündigen und Min-
derjährigen und zwischen tutor und eurator bei der Altersvormund-
schaft kennt2S), ihrem Wesen nach germanisch sei. Dagegen wird
4) Zöpfl's Behauptung, daß der Art. 3 des Code Nap.,
wornach die statuta realia den statuta personalia unbedingt Vor-
gehen, insoferne germanischen Ursprungs sei, als auch der Sachsen-
spiegel (Ed. Homeyer I. 30) bestimmt: „Erbe nimmt man nach
Landesrecht und nicht nach Mannesrecht“ — von Benech wider-
sprochen, indem er bemerkt, dieser Grundsatz widerstreite geradezu
dem ältesten germanischen Rechte, welches nur das System der
persönlichen Gesetze kenne; als diesem das der Lokalrechte gefolgt
sei, habe sich der neue angeführte Grundsatz gebildet, welcher daher
nicht germanischen Ursprungs seyn könne; durch das Lehnssystem
sei das Prinzip, daß in der Regel die statuta personalia maßgebend
seien, wieder geltend geworden; jedoch für den Erwerb der Jmmo-

22) Loysel, Inst. cout. Nro. 55.
23) Daher das Rechtssprüchwort: „tuteur et curateur ne sont qu’un.“
Loysel Nro. 180.

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