Full text: Volume (Bd. 10 (1846))

Ueber das Alter des Sachsenspiegels. 67
doch damals wenigstens ein Alter von dreißig und einigen Jahren
haben mußte, bis zum I. 1233, wo er noch als Zeuge in Ur-
kunden vorkommt, mindestens ein Alter von neunzig Jahren er-
reicht haben müsse.
Als Ersten unter denen, die ein höheres Alter verfochten
haben, müssen wir aber jedenfalls Weiske anerkennen, der schon
in seinen Abhandlungen aus dem Gebiete des deutschen Rechts
(Leipzig 1830.8.) und dann in Ney sch e r's und Wi ld a's Zeitschrift
Bd. I. Heft 1. S. 54 ff. seine Ansicht mit einer so umfassenden
Kenntniß erörtert hat, daß hier wohl Alles gesagt ist, was sich
dafür sagen läßt. Wir können jedoch nur zweien seiner Gründe
ein größeres Gewicht beilegen, und auch diesen nur, wenn die
Thatsachen, von denen sie ausgehen, ihre Richtigkeit hätten; näm-
lich den beiden, daß der Sachsenspiegel noch kein Bergregal kenne,
und dem von der Wahl der Bischöfe hergenommenen. Der dritte
Grund ist von dem Character des Rechts im Allgemeinen, das der
Sachsenspiegel darstellt, entlehnt; der vierte von dem schon bespro-
chenen Umstande, daß er noch keine Theilung des Herzogthums zwi-
schen dem Anhaltischen Hause und dem Erzbischöfe von Köln kenne,
und der fünfte endlich spricht nur davon, daß die Erwähnung der
Kurfürsten nicht als Gegenbeweis und Zeugniß jüngeren Alters ge-
nommen werden dürfe. Was den Letzten anlangt, so gestehen wir
denselben gern zu, da er als bloße Replik auf einen möglichen Ge-
genbeweis ebensowenig für als gegen unsere Annahme spricht. We-
gen des vierten Grundes aber fügen wir dem vorhin Gesagten
nur hinzu, daß wir keinen Beweis gegen uns darin finden können,
wenn seit dem Anfänge des dreizehnten Jahrhunderts die Grafen
von Aschersleben anfingen, sich äe Anhalt zu schreiben, während
im Sachsenspiegel die Grafschaft selbst noch Aschersleben und nicht
Anhalt heißt. Denn nur allmälig änderte sich der Name des Lan-
des im Munde des Volks nach dem neu angenommenen seiner Be-
sitzer. Dagegen werden wir auf die Verhältnisse Holsteins zum
Herzogthum Sachsen unten ausführlicher zurückkommen und zeigen,
daß hieraus nichts weniger als die Entstehung des Rechtsbuchs vor
4203 erwiesen werden kann. In Betreff des vierten Grundes aber
ist es zwar ganz richtig, wovon Weiske ausgeht, daß der Sach-
senspiegel gewiß keine andere als die Absicht habe, das practische
Recht seiner Zeit darzustellen. Allein ebenso unverkennbar ist sein

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