Full text: Volume (Bd. 10 (1846))

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darauf hinzudeuten, daß beide, das Herzogthum und die Grafschaft,
verschiedene Besitzer hätten. Ein eigenes Fahnenlehn blieb es aber
immer, wenn gleich es sich in dem unmittelbaren Besitze des Her-
zogs selbst befand, und der Sachsenspiegel würde es daher als sol-
ches auch dann ganz richtig aufgezählt haben, wenn er zur Zeit
Herzog Bernhards geschrieben worden wäre. Hieraus läßt sich
also durchaus kein Schluß ziehen, weder für die Zeit Heinrichs des
Löwen, wo Herzogthum und Grafschaft verschiedene Besitzer hat-
ten, noch für die Herzog Bernhards, wo beide vereinigt waren,
noch für eine spätere, wo sie wieder getrennt wurden. Was aber
die Theilung des Herzogthums zwischen Bernhard und dem Erz-
bischöfe von Köln anlangt; so stellt zwar der Sachsenspiegel die
kirchlichen Verhältniffe des ganzen Sächsischen Landes, wie es
unter Heinrich dem Löwen vereinigt gewesen war-, dar, indem er
von Westphalen bis an die Ostsee alle dazu gehörigen Bisthümer
angiebt. Ebenso deutlich beschränkt er sich jedoch in weltlichen
Angelegenheiten auf den Theil Sachsens, der nach dem Falle Hein-
richs des Löwen an Bernhard von Ascanien gekommen war. Denn
nur die östlichen Theile des Landes werden hier erwähnt. Dies
berechtigt also eher dazu, die Entstehung des Sachsenspiegels erst
nach der Theilung zu suchen. Die Besitzungen der Ascanier lagen
dem Verfasser näher; er ging also auf diese auch genauer ein,
und da der Kölner Antheil zu den kirchlichen Reichsländern ge-
hörte, die er bei Aufzählung der Bisthümer zugleich vor Augen
haben mußte, so konnte er mit Angabe der letzteren für seine Zeit
genug gethan zu haben glauben, auch wenn er bei Anführung des
Kölner Erzbisthums nicht ausdrücklich hinzufügte, daß die herzog-
liche Würde über die westlichen Länder diesem übertragen sey. Zu-
dem hätte wohl noch manche von den Grafschaften, die seit der
Verbannung Heinrichs des Löwen der herzoglichen Gewalt sich ent-
zogen, als Sächsisches Fahnenlehn genannt werden müssen, wenn
der Sachsenspiegel schon früher geschrieben worden wäre^). — Hier-
mit erledigen sich also die von Schaumann angeführten Gründe
gänzlich, und man ist keineswegs zu der Annahme genöthigt, daß
der Verfasser des Rechtsbuchs, der, wenn er ums I. 1180 schrieb,

2) Eichhorn Rechtsgesch. II. §. 239. a. E. — Kobbe deut. Geschichte
S. 568.

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