Full text: Volume (Bd. 10 (1846))

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Reyscher:
wolle, man müsse endlich die Gerichte dem Volke näher stellen, und
aus dem tüchtigen Volksverstande Nutzenziehen für die Rechtsbildung,
wie für die Rechtspflege. Reyscher begründet diese Sätze mit ei-
genen Erfahrungen als Universitätslehrer, Theilnehmer an Staats-
prüfungen u. f. w. und zeigt unter Anführung verschiedener Urtheile,
die theils von kaufmännischen Gerichten unter dem Vorsitze eines
Rechtsgelehrten, theils von bloßen Iuristengerichten ausgegangen,
wie jene, obgleich der herrschenden Theorie entgegen, doch sachge-
mässer und überzeugender als diese gewesen.
Nun kamen die Geschichtsforscher zum Wort, und es war ein er-
freuliches Zeugniß für den innern Zusammenhang unsrer Wissen-
schaften, daß von dieser Seite ahermals ein rechtlicher Gegenstand
von hoher Wichtigkeit zur Sprache kam. Dahlmann han-
delte von den Geschwornen, indem er, (dem Wegweiser folgend,
den er im letzten Hefte dieser Zeitschrift zur Geschichte der engli-
schen Jury gegeben), die Entstehung des Geschworneugerichts
in Skandinavien weiter begründete. Am vorhergehenden Tage, sagte
der Redner, sei man mit Skandinavien in Feindseligkeit gerathen;
er wolle nun das historische Gleichgewicht Herstellen durch Nachwei-
sung des Großen, was Skandinavien für das öffentliche Leben ge-
leistet. Er suchte sofort die Eigenthümlichkeiten des englischen Ge-
schwornengerichts, namentlich die nothwendige Einstimmigkeit der
Zwölfe, aus dem alten norwegischen und dänischen Rechte zu erwei-
sen, wobei er überraschende Züge des vormaligen nordischen Lebens
mittheilte. An die Erzählung der späteren Schicksale der Jury in
England knüpfte sich eine staatsmännnische Hinweisung auf die
Stellung jener, jetzt vielfach begehrten Rechtsanstalt zu einer freien
Verfassung, welche durch die beste Verwaltung nicht entbehrlich
werde, wie hinwieder ohne jene eine volksthümliche Gerechtigkeits-
Pflege nicht gedeihen könne. Sollten wir — fährt er fort — Ge-
schworene noch weiter in Deutschland erhalten, so wäre die englische
Einrichtung wohl der französischen vorzuziehen; doch wolle er diese
Frage den Juristen zur Beantwortung überlassen und nur erwäh-
nen, daß ein hochgeachteter altpreußischer Jurist, der auch bei dem
einstimmigen Gutachten der preußischen Jmmediatcommission über
diese Frage thätig gewesen, der in Berlin lebende Präsident
Seth e, ihm und einem anwesenden Freunde mitgetheilt, wie er
sich durch gewissenhaste Untersuchung und Vergleichung überzeugt

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