Full text: Volume (Bd. 10 (1846))

Bericht über die Germanisten-Versammlung. 49§
Aufforderung konnte für die erste Versammlung, in Ermanglung
eines bestellten Geschäftsführers, nur unter der Hand ausgehen (in
dem Art. der allgemeinen Zeitung „vom Neckar" und einzelnen Brie-
fen). Für das nächstemal aber soll 4 Monate vor der neuen Zu-
sammenkunft ein förmlicher Aufruf erlassen, und das Ergebniß 2 Mo-
nate später bekannt gemacht werden.

Die erste Versammlung der Germanisten ist vorüber, und hat
alle Erwartungen befriedigt, ja die meisten (da nur wenige mit Si-
cherheit hingiengen) weit übertroffen. Zweihundert Gelehrte, und
darunter nicht bloß Deutsche (hierher rechne ich auch die Deutschen
in der Schweiz, im Elsaß, in den russischen Oftseeländern u. s. w.)
auch Ausländer (4 Holländer, 4 Franzosen, 3 Engländer, 2 Belgier,
4. Däne, 1 Schwede, 4. Russe) hatten sich eingefunden, so daß außer
den allgemeinen Sitzungen täglich besondere Versammlungen der
rechtswissenschaftlichen, geschichtlichen und sprachlichen Abtheilung
stattfinden konnten, worin näher liegende Gegenstände der Fachwis-
senschaften besprochen wurden. Die Juristen mußten am zweiten
Nachmittage, da die angewiesene Räumlichkeit zu enge war, den schö-
nen Kaisersaal beziehen, wo in der anderen Tageshälfte die allge-
meinen Versammlungen waren. Am dritten Tage fand die Abände-
rung Statt, daß den Abtheilungen die Vormittagsstunden eingeräumt
wurden, während die Versammlung Nachmittags in einer allgemei-
nen Sitzung geschlossen wurde.
Zweck der Versammlung war, wie dieß jetzt auch die Geschäfts-
ordnung ausdruckt: die wissenschaftliche Förderung deutscher Geschichte,
deutscher Sprache und deutschen Rechts, insbesondere durch persön-
lichen Verkehr der Theilnehmer. Dieser persönliche Verkehr warm
der kurzen Zeit, welche für die geselligen Zusammenkünfte, nach Ab-
rechnung der 7ständigen täglichen Sitzungen und der den Kunstge-
nüssen gewidmeten Aufmerksamkeit, übrig blieb, äußerst lebhaft und
erquicklich. Die große Bewegung, wslche sich aller Gemüther bemäch-
tigt hatte, drängte bald zu vertrautem Gespräche, bald zu öffentlichen
Reden und Trinksprüchen, so daß eigentlich die ganze denkwürdige
Zeit hindurch in gegenseitiger geistiger Anregung kein Stillstand war.
Auch nach aussen, namentlich bei den gastfreundlichen Frankfurtern,
haben die öffentlichen Verhandlungeit eine große, immer steigende
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